Steinbruch/Bergwerk der Seemühle Walenstadt, Borner AG
Steinbruch/Bergwerk der Cement- und Kalkfabrik Unterterzen CKU


Geschichte und Bilder der Bergwerke Seemühle und Lochezen

Militärseilbahn-Transportkette: Lochezen -> Risetenpass -> Pragelpass

Stand: 22.08.2021





Bergwerk Seemühle und Bergwerk Lochezen waren zwei völlig verschiedene, einander konkurrenzierende Betriebe.

  • Ein Link zu einer ausführlichen, systematischen Fotodokumentation einer Stollen-Begehung beider Bergwerke ist unten auf dieser Seite.

  • Hinweis: Eine Begehung beider Bergwerke ausserhalb offizieller Führungen ist verboten [Vandalismus, Abfall, Haftungsausschluss].

  • Mail/Impressum: Paul Gantner, Walenstadt: Spamschutz: hbm42[**]sarganserland-walensee.ch [**] dabei durch @ ersetzen.




Bild: Foto des gesamten Walenstadter Bergbaugebietes vom Aeuli bis zur Kaliforni von 1921; Quelle: Eidg. Landestopografie, swisstopo.



Vorgeschichte bis 1862


Bereits lange vor 1860 erfolgen Abbau von Kalkstein und Brennen desselben in einfachen 'Feld'-Oefen im Gebiet Seemühle/Kaliforni. Um 1861 tauchen im Zusammenhang mit Bergbauaktivitäten im Raum Walenstadt die Namen F. Kutter (Baumeister), M. F. Mooser (Marmor-Abbau, Sandgewinnung [Ziegelhütte]) und Heinrich Julius Tröger (Bergbau-Ingenieur) auf. Während die beiden Erstgenannten nach ganz wenigen Jahren ihre Bergbau-Aktivitäten wieder einstellen, begründet der Letztgenannte nachhaltig den industriellen Bergbau und die Cementproduktion bei Walenstadt.

historischer Bergbau
Bild: Beschaulich, aber streng kann man sich den vorindustriellen Bergbau etwa
so vorstellen (hier allerdings Kohle-Abbau und nicht bei Walenstadt)
historisches Kalkbrennen
Bild: Historischer Kalk-Ofen (Rohrbach / Vispertal);
[ETH Bibliothek, Bildarchiv]

Bild: Heinrich Julius Tröger
1828 - 1892;
[Archiv Weberei Walenstadt]



Die Dufourkarte von 1854 zeigt noch keine Gebäude in der auch namentlich noch nicht erwähnten Lochezen, jedoch einige Gebäude bei der heutigen Seemühle/Kaliforni. Hier sind demnach schon länger vor 1854 (1. Ausgabe der Dufourkarte) kleine 'Feld-Kalk-Öfen' - und eine 'Mühle' zum Mahlen des gebrannten Kalkes am Helgenbach betrieben worden ('Seemühle'). Der Name 'Kaliforni' aus dem Lateinischen deutet auf historische Kalköfen hin: calx --> Kalk; fornax --> Ofen.


Bild: Dufourkarte 1854; Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo







Die Frühzeit ab 1862, Lochezen, Unterterzen

(Die Seemühle nimmt industriell ihren Betrieb erst 1892 auf)



Bild: Die Cementmühle auf der Siegfriedkarte von 1897; Quelle: BA für Landestopografie swisstopo
Der Beginn des industriellen und nachhaltigen Kalk-/Zement-Bergbaues bei Walenstadt geht auf das Jahr 1863 zurück. Ihr Gründer ist der bereits erwähnte Bergbau-Ingenieur Heinrich Julius Tröger von Freiberg in Sachsen (1829 - 1892). Tröger hat auch die Marmorbrüche des erwähnten M. F. Mooser und Bergbauaktivitäten des erwähnten F. Kutter übernommen. Tröger war 1855 bis 1861 Leiter des Kupfer-Bergwerkes Mürtschenalp, das um 1861 infolge mangelnder Ergiebigkeit eingestellt worden ist. Tröger fabriziert Romanzement mit gutem Absatz in der Ostschweiz. Die im Bruch der Lochezen westlich des Sitzbach-Tobels (Gebiet nordöstlich der Bergstation des heutigen Schrägaufzuges) und etwa gleichzeitig östlich des Tobels (beim späteren Militärspital) gewonnenen Steine werden westlich über einen gemauerten Rutschkanal (bei Mangold [1931] 'primitive Schlittbahn' genannt) und östlich über eine Schütthalde zu zwei kleinen Schachtöfen in der Lochezen befördert und dort mit Koks gebrannt. Mangold [1931] meinte 'primitiv' sicher nicht abwertend, sondern im Sinn von 'einfach'/'schlicht'.
Die im Tagbau hoch über dem späteren Militärspital gehauenen Marmorblöcke werden in einer Waldschneise zum See hinunter rollen gelassen, was Verlust ergibt [zerschlagene oder im See verschwundene Blöcke, was später zum Bau des Strässchens ins Bruchgebiet führen wird]. Das Kalk-Brenngut wird mit Ledischiffen (Segel- und Ruder-Antrieb) nach Unterterzen überführt. Dort wird es mittels Pferdefuhrwerk zu einer Wassermühle (Kammbach und künstlicher Kanal vom Moosbach her, siehe Karte) hinauf gebracht und nach dem Mahlen und der Verarbeitung per Pferdefuhrwerk zum Bahnhof Unterterzen hinunter. Der spätere Fabrik-Standort Gosten spielt noch keine Rolle.





1873 erfolgt eine gesellschaftliche Strukturierung und die Firma erscheint im Schweizerischen Handels-Amts-Blatt (S.H.A.B.):


Quelle: S.H.A.B.

Man beachte: Trotz der Ortsbezeichnung 'Wallenstadt' hat dies mit dem 1873 noch gar nicht existierenden Bergwerk Seemühle nichts zu tun. Die Steinbrüche, die Brennerei (Lochezen) und das Büro liegen zwar auf Wallenstadter-Gebiet, die Verarbeitungsfabrik aber in Unterterzen.


Auf der Siegfried-Karte von 1883 (Erstausgabe) erscheint die zugehörige Cementbrennerei in der Lochezen mit Funktionsbeschriftung:


Bild: Siegfriedkarte 1883; Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo





Der Transport des Ausbruch-Gesteins vom östlichen und westlichen Bruchgebiet zur Brennerei hinunter

Vom östlichen Steinbruch beim späteren Militärspital wurde das Bruchgestein über zwei Schüttrinnen abgeführt (rote Pfeile '3' und '4'). Für den Abtransport vom westlichen Bruch baute Tröger um 1863 die erwähnte 'primitive Schlittbahn' [sic Mangold 1931], die im folgenden Bild je mit '2' bei Start und Ende rot eingepfeilt ist. Diese (problematische?) Bahn zeigt aber bereits auf Fotos von deutlich vor 1900 Vegetation in ihrem Innern. Man wird ersatzweise schon vor 1900 über eine 'natürliche' Schüttrinne (roter Pfeil '1') Material in die Lochezen hinunter befördert haben. Um 1900 kam dann der Steinbrecher I mit seinem Schüttrohr (etwas links der Schüttrinne '1' im Bild zu sehen) in Betrieb. Später (1921) wurde dann der Steinbrecher II (Chalet) in die eben erwähnte (natürliche) Schüttrinne '1' gestellt (auf dem Bild gerade im Bau):


Foto von 1921: Rudimente der Schlittbahn und Schüttrinnen; Eidg. Landestopografie swisstopo.



Exkurs:

Die Schlittbahn von Tröger

Da es sich bei dieser gemauerten Schlittbahn um den ältesten klar identifizierbaren Kunstbau-Zeugen industriellen Bergbaues bei Walenstadt handelt, wird dieses Bauwerk im Folgenden genauer betrachtet.



Bild: Gesamtsicht der Schlittbahn-Ankunft in der Lochezen mit Viaduktbogen und Felsnischenteil des historischen Silos.



Bild: Das Innere der Schlittbahn.



Die folgenden Bilder zeigen die beiden beschriebenen Abwurf-Wege Trögers (gelb und rot punktiert), den geschichtlich folgenden Steinbrecher I mit Schüttrohr und die Platzierung des wiederum geschichtlich folgenden Steinbrechers II (Chalet) in die vorgängige Schüttrinne hinein. Dabei wurde der obere Teil der Abwurfrinne weiter benutzt, während unter dem Steinbrecher bereits durch ein Rohr nach rechts zum 'Staumauersilo' abgeleitet wurde:


Linkes Bild 1916; mittleres Bild 1921: nochmals Schüttrohr von 1900 (Foto: swisstopo); rechtes Bild um 1924




Stark vergrösserter Ausschnitt aus einer Ansichtskarte vor 1933 (Poststempel) von Mols aus aufgenommen:




Legende zum Foto:

1: Steinbrecher I von etwa 1900

2: Steinbrecher II von 1921

3: Spur des Schüttrohres vom Steinbrecher I

4: Schlittbahn/Schüttkanal Trögers von 1863

5: Bereits stark erhöhte Silo-Staumauer (urspr. von 1921)





Die gesamte Schlittbahn Trögers ist durch deutliche Überreste noch heute auszumachen. Im folgenden Bild eingepfeilt zwei willkürliche Beispiele:


Bild: Relikte der Schlittbahn Trögers.



Der oben im Abbaugebiet gelegene Start der Schlittbahn wurde bereits vorher gezeigt. Im Folgenden drei Bilder, welche die heute noch sichtbaren Ueberreste in diesem Gebiet zeigen:



Bild: Vom Schräglift aus ist das heutige linke Ende der Trögerschen Silomauer/Startmauer (rechts im Bild) zu sehen.



Bild: Die bereits weiter oben dokumentierte Mauer mit 'Ausgangstor'. Das abgebaute Gestein wurde mindestens teilweise von rechts her zugeführt.





Bild: Hier liegt der vorher von aussen gezeigte Ausgang zur Schlittbahn im heute zugefüllten Teil bergseits der Mauer.




Ende Exkurs





1885

In dieses Jahr fällt ein tragischer Unglücksfall:


6.10.1885 [e-newspaperarchives.ch]
Kleiner Fehler im Text:
'zum Kalkbrennen' sollte heissen:
'zum Verarbeiten in der Mühle'.


1892

Nach Trögers Tod im Jahr 1892 wird die Firma neu strukturiert:


Quelle: S.H.A.B.

Man beachte: Trotz der Ortsbezeichnung 'Wallenstadt' hat dies mit dem 1892 erst in der Gründungsphase stehenden Bergwerk Seemühle nichts zu tun. Die Steinbrüche, die Brennerei (Lochezen) und das Büro liegen zwar auf Wallenstadter-Gebiet, die Verarbeitungsfabrik aber in Unterterzen.




1897

Die Firma wechselt die Besitzer:


Quelle: S.H.A.B.


1897/1898 wird in der Folge die Produktivität des ganzen Betriebes gesteigert. Im gesamten Bruch (auch beim späteren Militärspital) werden Geleise für ein Grubenbähnchen (wahrscheinlich noch 50 cm-Spur) verlegt, die Trögersche gemauerte Schlittbahn (genauer: deren Ersatz-Schütthalde) durch ein etwas westlich gelegenes erstes Schüttrohr von einem neuen Steinbrecher I aus und die Schütthalde des östlichen Bruches durch einen sogenannten Bremsberg ersetzt und in der Lochezen die Brennöfen aufgerüstet. Unter diesem Bremsberg kann man sich eine Ballast-Pendelbahn ['System Ragaz - Wartenstein'] vorstellen, aber auf getrennten Geleisen. Dabei können die Loren auf kleine Förder-Fahrplattformen gesetzt werden. Die See-Überfuhr wird neu über ein Motorschiff ('Trajektschiff') abgewickelt, auf das die Loren mit dem Brenngut geschoben werden können und am Gostenhorn wird eine Brenngut-Verarbeitungs-Fabrik mit Bahnanschluss gebaut, mit Loren-Geleise zum See und VSB-Geleise (Vorläuferin der SBB) zum Bahnhof Unterterzen. Die alte Mühle wird für ganz kurze Zeit umgenutzt zur Elektrizitäts-Erzeugung und so eine elektrische Mühle am neuen Standort angetrieben. Die neue Fabrik nimmt 1899 ihren Betrieb auf als Roman- und Portlandcementfabrik A.-G. Ennenda. (Gebrannt wird aber noch ausschliesslich in der Lochezen.)

1898 werden die Konzessionsgrenzen festgelegt, da östlich inzwischen (um 1892) auch die Seemühle den Betrieb aufgenommen hat (1892: Huber/Kunkler; 1899: Borner/Edelmann).


Bild: Die Situation in der Lochezen und am Gostenhorn um 1898. Aufmerksamen Lesern entgeht natürlich nicht, dass die relative Lage von Lochezen und Unterterzen und auch topografische Proportionen nicht stimmen. Mehrere Fotografien wurden vor dem Lithographieren zusammengesetzt, aber so, dass die relevante historische 'Wahrheit' bestehen blieb. Man wollte aus 'Marketinggründen' alle Anlageteile auf einem Bild vereinen. Das Bild ist eine Fundgrube für 'Bildanalyse-Spezialisten', sei es zum Thema Lochezen-Geschichte oder zu den Methoden der Gestaltung von Lithographien (und auch damaligen Postkarten).

Die oben vorgestellte Schlittbahn Trögers ist kaum mehr sichtbar und dürfte schon länger ausser Dienst sein (ein Foto von ca. 1880 zeigt 'Vegetation' im Innern der Bahn). Wahrscheinlich wurde das Gestein schon länger über Schütthalden talwärts befördert, denn ein wirklich gutes Funktionieren der Schlittbahn ist eigentlich schwer vorstellbar. Die grosse Schneise am rechten Bildrand stammt von zum See hinunter rollenden Marmorblöcken aus dem Marmorbruch weiter oben.






Die Lochezen um 1898 (Bremsberg steht bereits [nicht im Bild], Brennerei aber noch nicht auf 5 Kamine ausgebaut):






Bild: Ein frühes Foto (um 1898) zeigt die Brennerei Lochezen noch mit 3 Kaminen



Das motorisierte Trajektschiff Lochezen - Unterterzen ab 1898. Man beachte die Loren auf dem Schiff:





Unterterzen/Gosten um 1899:


Zum Bild (für genaue Betrachter): Grundsätzlich geht das recht genaue Bild auf ein Photo zurück, wurde aber wohl nachbearbeitet/'ergänzt'.
Besonders die beiden Eisenbahn-Wagen rechts aussen sehen 'lustig' aus und stehen auch zu weit östlich (vergleiche dazu mit folgendem Bild).



Das folgende Foto ist kurze Zeit später aufgenommen, denn es sind jetzt zusätzlich 2 kleine Kamine sichtbar (ursprüngliche Dieselmotor-Kraftanlage) und der entsprechende Anbau vergrössert:


Bild: Fotodokumentation der Cement/Kalkfabrik (nur Verarbeitung, noch nicht Brennen) um 1900 am Gostenhorn:

Die weiter oben erwähnte - zur Elektrizitätserzeugung umgenutzte Wassermühle am Kammbach - zeigte sich rasch als zu schwach für die im Ausbau befindliche Fabrik und wurde schnell durch einen Dieselmotor mit Generator ersetzt, was die beiden kleinen Kamine erforderlich machte. Aber noch vor dem Ersten Weltkrieg wurde auch der Dieselbetrieb wieder aufgegeben und die Mühle am Gosten an die neue Albula-Hochspannungsleitung in der Nähe angeschlossen. Um 1927 wurde ein fabrikeigenes Kraftwerk gebaut. Dokumentation dazu: Kraftanlage Unterterzen (pdf)




Bild: Die Cement/Kalkfabrik Unterterzen um 1900 (Silos; Mühle, Mischerei/Packerei, noch kein
Brennen). Damals waren rauchende Kamine ein (positives!) Zeichen fortschrittlicher Industrie
und dürften hier somit übertrieben aktiv eingezeicnet worden sein, denn gebrannt wurde noch in
der Lochezen. Der Rauch hier stammt 'nur' von der erwähnten Dieselkraftanalge.



Die zugehörige Brennerei in der Lochezen, jetzt mit 5 Kaminen:


Bild: Cement/Kalkfabrik (Brennerei) Lochezen um 1900 in ihrem umfangreichsten Bauzustand




Briefkopf (Ausschnitt Lochezen) der Schweiz. Cement-Industrie-Gesellschaft
um 1909. Rechts im selben Bild: Bremsberg unterer Teil [Staatsarchiv St. Gallen].




Der Bremsberg auf der
Siegfriedkarte 1906.

Lochezen Bremsberg 1898, (Lochezen-späteres Militärspital). Stollenloren direkt auf
Bremsberg-Wagen geschoben.


Das folgende Bild um 1916 zeigt die Cementfabrik Lochezen in ihrem Endzustand. Auf Fotos von 1919 ist sie bereits nicht mehr vorhanden und auf der Siegfriedkarte von 1920 ist sie nicht mehr eingezeichnet. Man beachte die neu hinzugekommene vermeintliche 'Schutzmauer' bergseits (in Wirklichkeit: Schüttgut-Auffangbecken, siehe später) und das Fehlen des früher vorhandenen 5. und höchsten Kamins:



Bild:
Die Brennerei (aber jetzt ohne den hohen 5. Kamin) in der Lochezen im Endzustand vor ihrem Abbruch um 1918.

Wahrscheinlich wurde der 5. Kamin bei einer etwas grosszügig dimensionierten Sprengung 1911 getroffen und nicht mehr repariert, da er in jenem Moment bereits nicht mehr benötigt wurde, weil ja inzwischen auch in Unterterzen das Brennen aufgenommen wurde. Deutliche (Reparatur-)Spuren dieser Sprengung waren noch bis vor kurzem unten am Holz-Dach des Vorraumes der obersten Wohnung des unmittelbar an den ehemaligen 5. Kamin angrenzenden 'Wohnblocks' zu sehen. Heute sind diese aber 'übertäfert'. Berichte von einer 'Zerstörung' der Lochezen-Brennerei durch einen dieser Sprengung folgenden Felssturz sind aber falsch, wahrscheinlich auf Grund einer Verwechslung mit dem Hangrutsch von 1916 bei der Seemühle weiter östlich.





Die eben erwähnte Schüttgut-Auffangmauer ist heute noch zum grossen Teil erhalten (folgendes Bild). Ganz rechts im Bild sind bei der Gebäude-Ecke 2 Isolatoren übereinander und mit etwas gegenseitigem Abstand zu sehen. Von diesen führen noch heute - aber nur vor Ort sichtbar - zwei Telefondrähte zum ersten Mast der ehemaligen Vorgänger-Seilbahn des heute noch bestehenden Schrägaufzuges hinauf:


Foto: Wir stehen hier auf dem Boden der ehemaligen Cementfabrik Lochezen und der Seilbahn-Talstation



In diese Zeit (1907) fällt ein tragischer Unfall:


30.07.1907 [e-newspaperarchives.ch]



Schon bald nach 1900 wird die Anlage in Unterterzen ausgebaut, um zusätzlich auch Brennen zu können. Das folgende Bild links zeigt die umgebaute und erneuerte Cement- und Kalk- Fabrik in Unterterzen um 1910 (die Cementbrennerei Lochezen steht noch in ihrer Vollversion: Man schaue auf die Kamine [im Zentrum der roten Ellipse], wobei rechts der schon mehrfach erwähnte hohe fünfte Kamin mit etwas Phantasie als noch existent gedeutet werden kann. Die Ansichtskarte rechts hat den Poststempel 1917:


Bild: Die Fabrik der 'Schweizerischen Cementindustrie-Gesellschaft' in Unterterzen im Zeitraum 1910 bis 1917





Ein Pachtvertrag zwischen der Cementindustrie Unterterzen und der damals zuständigen Ortsgemeinde Walenstadt läuft 1913 aus und wird von den Fabrikbetreibern nicht erneuert, da im westlichen Teil des Steinbruchs (noch nicht Äuli oder Engen) der damals zuständigen Ortsgemeinde Walenstadtberg offenbar wirtschaftlicher Gestein abgebaut werden kann. 1913 wird daher der ursprüngliche 'historische' (Tröger-)Untertag-Steinbruch-Teil (beim späteren Militärspital) geräumt und es kehren dort Jahrzehnte der Ruhe ein, bis zum Bau und Betrieb des Militärspitals in den 1940er-Jahren. Damit wird natürlich auch der Bremsberg obsolet. Das Gestein gelangt jetzt vom erwähnten und jetzt allein 'zuständigen' westlicheren Steinbruch durch ein Schüttrohr zur Brennerei hinunter und wird in einem Schüttgut-Auffangbecken (vermeintliche 'Schutzmauer' von vorher) hinter der Brennerei aufgefangen.

Foto von 1916: Die Schüttrohrleitung zur Brennerei hinunter (links im Bild). Ueber der Mauer ist noch etwas vom Dach des urspünglichen Steinbrechers I (gebaut um 1900) auszumachen.

Über er gelb punktierten Linie ist noch der längst ausser Betrieb gesetzte Schüttkanal Trögers in seinem obersten Teil auszumachen. Der spätere Chalet-Steinbrecher (II) kommt etwa zwischen diese beiden Objekte zu liegen, also in die ehemalige Trögersche Schüttrinne hinein.



Ein Fotodokument von etwa 1910 (noch intakter Hoch-Kamin in der Lochezen, Seemühle-Verarbeitungsfabrik noch mit den ursprünglichen Satteldächern, noch kein Arbeiter-Wohnhaus in der Seemühle, Chaletsteinbrecher natürlich noch nicht zu sehen) zeigt uns 'letztmals' die Cementbrennerei Lochezen in ihrer vollen Grösse:


Bild: Unser 'Abschied' von der Cementfabrik bzw. Brennerei Lochezen (links der Bildmitte ganz an der Felswand).



1917 wird die Fabrik in der Lochezen aufgegeben und abgebrochen, da sie nicht mehr benötigt wird. Ihre Aufgaben werden inzwischen von der ausgebauten Fabrik in Unterterzen mitübernommen.


1920 wird ein neuer Vertrag mit der OG Walenstadt abgeschlossen, vor allem im Hinblick auf die bereits im Bau befindlichen neuen Anlagen, eine Schiffs-Verladestation mit Silo und das legendäre Brückenförderband zwischen einem ebenfalls neuen offenen 'Staumauer'-Silo und dem Verlade-Silo am See.



Nebenstehendes Foto (um 1923) zeigt noch Spuren der Schüttleitung des vorletzten Bildes. Der 'Ursteinbrecher I' (ganz oben im Bild) von vorher ist hier gut zu sehen, neben dem neuen 'Chalet-Steinbrecher II' mit neuem Schüttrohr (nach unten rechts wegführend) zum offenen Abwurf in den neuen 'Staumauer'-Silo. Von diesem geht das Gestein mit dem neuen 'legendären' Förderband zum neuen Hochsilo mit Schiffsverladeeinrichtung am See.

Unten auf dem Foto ist die Mauer des Sammelbeckens ('Schutzmauer' von weiter oben) zu sehen. Die Brennerei an der Mauer ist bereits abgebrochen, denn es wird jetzt ja in Unterterzen gebrannt.


Der neuere Steinbrecher II rechts (also der im 'Chalet') ist genau auf eine alte natürliche Schüttrinne gebaut worden, deren darüber gelegener Teil so weiter genutzt werden kann ('Abwurf-Brücken-Gebiet').


Bild: Steinbrecher I mit Schüttrohrschneise, Steinbrecher II (Chalet) mit Schüttrohr nach rechts unten zum offenen Staumauer-Silo.



Die Gruben-Konzession [nicht mit Abbaukontingent zu verwechseln] der Cementfabrik Unterterzen schliesst sich bis 1913 beim späteren Militärspital/Feldspital (heutige Trennmauer mit 'vergittertem Fenster') an diejenige von Huber & Kunkler (später Borner & Edelmann), Walenstadt an. (Adolf Borner 1871-1966). Das Areal 'Militärspital' dazwischen ist ab 1913 eine Art 'Niemandsland' (vorher bewirtschaftet durch Tröger; Tröger & Götzger; Cementfabrik Ennenda; Schweizerische Cementindustrie-Gesellschaft).


Aussen-Ansicht des Bergwerks Lochezen (ohne Aeuli) anfangs 1921

Die nicht mehr betriebene Schlittbahn Trögers ist gesamthaft zu sehen. Ebenso der sie ablösende Steinbrecher I mit seinem Schüttrohr zur Lochezen hinunter. Der Seesilo besteht bereits, nicht aber sein Förderband und die 'Staumauer' des Aussensilos. Der Chalet-Steinbrecher II ist im Aufbau. Vom Bremsberg sind nur noch Trassespuren zu sehen. Die Schneise einer Winden-Standseilbahn ist gut zu sehen (Aufzug für schwere Ausrüstungs-Materialien):


Bildquelle: Eidgenössische Landestopografie, swisstopo.



Die frühe Entwicklung des Standortes Unterterzen auf der Siegfriedkarte:
Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo; Die Karteneinträge sind naturgemäss 'verspätet'.

'Finanzielles' zu diesen Zeiten

1862 Jahreszins für den Abbau im Lochezensteinbruch: Fr. 50.-
1897 Kosten für 13'000 m^2 Land auf der Gosten: Fr. 20'000.-
1875 Tageslohn Arbeiter Textilindustrie: um Fr. 2.20 ; 1 Stunde Arbeit = 1 Laib Brot
1900 Tageslohn Arbeiter Zementfabrik: Fr. 3.50 bis 4.-- ; Brotpreis pro kg um 43 Rappen
1930 Tageslohn Arbeiter Textilindustrie: Fr. 3.90 ; 0.75 Stunden Arbeit = 1 Laib Brot








Die Frühzeit ab 1892, Seemühle Walenstadt


1892 erwerben Hubers von Walenstadt und Johann Theodor Kunkler von St. Gallen aus einem Firmenkonkurs die Liegenschaft Waldegg in der Seemühle und gründen die Firma Kunkler & Co..


Quelle: S.H.A.B.


In der Neuen Glarner Zeitung wird dies wie folgt gewürdigt:









Bilder:

'Die urspünglichen
(Kalk-)Mühlen waren nach Art der alten Getreidemühlen eingerichtet' [Mangold].
Nebenstehendes Bild: Spuren der einstigen Seemühle bei der 'Villa Borner' auf einer Luftaufnahme von swisstopo 1942.



Der Name Seemühle erscheint in einer Konzessions-Urkunde für ein Wasserkraftwerk von Huber & Kunkler, das - schon viel länger bestehend - im Jahr 1896 nachträglich eine der neu eingeführten kantonalen Wasserrechtskonzessionen (Helgenbach) erhält - und damit fortan Zins bezahlen darf. Die Mühle wird um 1904 durch einen Dieselmotor mit neuer Mahleinheit abgelöst [Mangold]. Der Helgenbach wird aber noch bis in die 1960er-Jahre zur Erzeugung elektrischen Stromes genutzt ('Seemühleweiher').


Ein Mühlstein der Seemühle kann heute noch als Tischplatte auf einem 'Gartenpodest' hinter der ehemaligen 'Villa Borner' gesehen werden:




Von der OG Walenstadt bekommt die Firma einen Pachtvertrag für Gesteinsabbau im Gebiet Seemühle, wo zunächst zwei kleinere Kalköfen aufgebaut werden. Ein Fotodokument vom August 1893 zeigt die zwei ursprünglichen Kalköfen (unterhalb des Bruchweges) noch vorgängig der grossen Seemühle. Der Bruchweg verläuft durchwegs noch etwas tiefer als der heutige):


Foto [Aug. 1893]: Kalköfen und Wohnhaus von Kunkler/Huber von ca 1891 (später:'Villa Borner').



Um 1895 wird der junge Bergbau-Ingenieur Adolf Borner (1871-1966) als Spezialist für Bergbau beigezogen und der Bau der 'grossen' Seemühle geplant, die um 1902 als grosse Kalk- und Cementfabrik in Betrieb geht:


Die Seemühle um 1950, mit gleichem Aussehen wie 1902, nur ohne beim Bergsturz von 1916 zerstörten Ostteil (siehe später).




Schweizerische Bauzeitung 1895



Landkarten können nicht 'absolut' genau sein. Manch eine Einzelheit wird übersehen oder muss der Generalisierung geopfert werden und zeitlich stehen Landkarten notgedrungen immer mehr oder weniger im Verzug. So fehlen in der Siegfriedkarte von 1897 die erwähnten Schachtöfen von Huber und Kunkler, obwohl sie 1893 fotografisch dokumentiert sind. Das Objekt wurde daher auf folgendem Kartenausschnitt vom Verfasser eingezeichnet [(6) bei der Verzweigung Lochezenstrasse/alter(!) Bruchweg].




Siegfriedkarte von 1897; Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo

  1. Brennöfen der Kalk- und Cementfabrik Lochezen,Tröger-Götzger
  2. Erster industrieller Untertag-Abbau (künstliche Felsfenster) durch Tröger und Nachfolge-Firmen
  3. Stolleneingang Tröger (später zum Militärspital)
  4. 'Westbahn' spätestens ab ca 1898 (vermutet), vorher evtl. Pferdefuhrwerk
  5. Alter Bruchweg, erbaut 1866 (auch vom Bergbau-Ingenieur Tröger im Zusammenhang mit urspr. Marmorbrüchen)
  6. Erste Kalköfen Kunkler + Huber
  7. 'Ostbahn' spätestens ab ca 1898 (vermutet), vorher evtl. Pferdefuhrwerk
  8. 'Staumauer' der Wasserkraft-Nutzung Seemühle
  9. Wohnhaus [Kunkler], später 'Villa Borner'
  10. Verarbeitung, Silos, Absackerei



Das Gestein wird über natürliche Rutschrinnen talwärts befördert und mit dem vermutlich bereits bestehenden Bähnchen eingesammelt.

Zusätzlich werden auf Seemühles Gebiet im Zeitraum 1892 bis 1896 nahe bei den beiden Kalköfen zwei Stollen in den Berg getrieben und ein dritter Stollen etwas westlicher gelegener.

Nochmals zum alten Bruchweg von vorher:

Der folgende Exkurs gibt einen kurzen Einblick in die Geschichte des Bruchweges.

Exkurs: Vom alten zum neuen 'alten' Bruchweg:



Dokumentation: Wechselvolle Geschichte des Bruchweges


Das Vorschaubild zeigt ein Foto von 1893 mit dem Anfang des Bruchweges über den beiden Kalköfen.

(Von Valentin Schoch)





1899

1899 wird die Firma neu strukturiert:


Quelle:S.H.A.B.


Wie bereits erwähnt herrschen um diese Zeit auf dem Cementmarkt massive Ueberkapazitäten durch zu viele Betriebe:


Quelle: Statistisches Jahrbuch der Schweiz 1907


1907

1907 wird die Firma erneut umstrukturiert:


Quelle:S.H.A.B.

Conrad Edelmann übernimmt die Cementfabrik Ludesch (Vorarlberg) und amtiert dort als Direktor bis 1917 - bis zur Uebernahme (Kriegswirren) dieses Werkes durch die Cementfabrik Lorüns. Der Name Conrad Edelmann taucht 1917 bei der Kalk- und Cementfabrik Beckenried wieder auf und 1929 als Direktor und Inhaber des Hartsteinwerkes Beckenried.


Bis etwa 1913 ist der Betrieb der Seemühle ähnlich wie derjenige der Lochezen gelagert, es wird also Cement und Kalk produziert und damit die Schweizerische Zement-Industriegesellschaft konkurrenziert.

Die folgende Siegfriedkarte von 1906 zeigt die grosse Seemühle-Fabrik. Es sind jetzt beide Cementfabriken - also Lochezen und Seemühle - sogar mit Funktionsbeschriftung eingetragen.

Im oberen Bereich des Bruchweges ist ein Auswurfstollen mit Gebäude zu erkennen. Dieser Tunnel war für die Seemühle bis in die 1950er-Jahre in Betrieb. Das Geleise führte von einem Abbau-Gebiet via Ufer der unterirdischen Seen ('Seedamm und rostige Leiter') über den 'berühmten' Bahndamm durch den heute zugeschütteten Tunnel 'hoch über dem Walensee' ins Freie auf eine Abwurfbrücke [Ursula Zanetti-Borner]). Die Karte zeigt auch den Bremsberg in der Lochezen:



Bild: Siegfriedkarte von 1906; Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo


Die folgende Ansicht zeigt diese 'legendäre' Seemühle (Cement- und Kalkbrennerei [ab 1913/14 nur noch Kalk]), die Mühle/Mischerei/Packerei und Wohnhäuser vom 'alten Strandbad' aus. Dieses Bild wurde vor Dezember 1916 aufgenommen, da die gesamte Seemühle-Fabrik noch zu sehen ist, auch der beim Bergrutsch von 1916 zerstörte und nicht mehr aufgebaute rechte Teil des Fabrikgebäudes (Cementproduktion):



Bild: Die neue Cementfabrik Seemühle in ihrem grössten Bauumfang vom 'alten Strandbad' aus gesehen.
Man beachte auch die 'Westbahn' oben und unten an die Seemühle
führend.



Kleine Rückblende: Eine Gesamtansicht vom August 1893 zeigt nochmals die beiden 'niedlichen' Schachtöfen am Standort der nachfolgenden legendären Seemühle und auch die spätere 'Villa Borner' [1893 noch der Familie Kunkler gehörend] nebst Verarbeitungsgebäuden (z. B. Silo, Mühle (hier nicht sichtbar), Mischerei, Packerei):


Foto: Seemühle-Region, Walenstadt, im August 1893; ETH-Bibliothek, Bildarchiv


Sichtbar sind auch Kavernen [von Tröger & Götzger] beim späteren Militärspital / Feldspital, ebenso der alte Bruchweg [der noch etwas unterhalb des heutigen Bruchfahrweges verläuft], ferner diverse Gesteins-Rutschrinnen, die auch weit über dem Bruchweg beginnen. Sie weisen auf verschiedene Abbaugebiete und auch noch auf schon seit vor dem Kalkabbau betriebene 'Marmorbrüche' hin. Die schräge Gebirgsschichtung ist gut zu erkennen.

Der lange andauernde Parallelbetrieb von Marmorbruch und Cementfabrikation Trögers - begonnen lange Zeit vor den industriellen Aktivitäten bei der Seemühle - zeigt sich auch auf folgender Postkarte von 1871 (zufällig Adolf Borners Geburtsjahr) im Adress-Text:


(c) L. Mannhart



Kleiner Exkurs:
Das weiter oben erwähnte 'Seemühle-Bähnchen':

Aus betriebs-strategischen Ueberlegungen und auf Grund von Indizien in Buch-/Luftbild-/Foto-Dokumenten kann zweierlei festgestellt werden:

1. Übertag-Bähnchensysteme der beiden Bergwerke bestanden schon ab etwa 1898.
Fotografisch nachweisbar ist das Seemühle-Bähnchen erstmals 1916 (siehe weiter unten).


2. Das Übertag-System der Seemühle war zusammenhängend, man konnte also aus Richtung Lochezen sowohl oben, als auch unten an die Seemühle und damit auch in den Tunnel der Sohle 0 fahren sowie ostwärts zur Kaliforni. So konnten die Fahrzeuge durchgehend auf dem gesamten Netz (übertag und auf Sohle 0) eingesetzt werden und es konnte so Kohle/Koks ab der Kaliforni und Gestein aus Westen - also der drei Stollenausgänge - oberhalb der Seemühle den Öfen zugeführt werden, während unten Gebrannter Kalk zur weiteren Verarbeitung zur Kaliforni transportiert werden konnte.
Die Waldschneise (siehe folgende Luftaufnahme) aus Richtung Lochezen oben an die Seemühle zeigt die obere Zufahrt zur Seemühle.
Unterhalb der Seemühle wird die Bahn und ihr Verlauf Richtung Lochezen und Kaliforni weiter unten noch fotografisch dokumentiert. Somit war westlich der Seemühle eine Weiche eingebaut:


Luftbild 1942; Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo

  1. Stollenausgang mit Abwurf (im Schatten) der Bahn via 'unterirdischer See' über den 'Damm'
  2. Endstation des Seemühlebähnchens. Hier wurde das westlichste Gestein der Borner AG aufgeladen
  3. Weiche (obere/untere Westbahn)
  4. Tunnelportal/Stolleneingang und Weiche Richtung Lochezen einerseits/ Richtung Stolleneingang zur Sohle 0 anderseits
  5. Ort des anderen 'unteren' Stollenausganges mit Abwurfbrücke
Wahrscheinlichste Jahreszahlen der Stollen-Portale:

Nr.5: 1892; Nr.4: 1896; Nr.1: sicher von vor 1906 [Siegfriedkarte].


Auf folgendem 3D-Satelliten-Radarbild ist die Trasse oben an die Seemühle (gegenwärtig aber völlig überwachsen) der erwähnten Waldschneise heute noch deutlich erkennbar. Und wenn man genau hinsieht, sind etwas unterhalb des heutigen Bruchweges deutlich Spuren des älteren Bruchweges zu erkennen, der beim obersten Auswurfstollen des Seemühle-Bergwerkes endet:


alti3d; Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo



Skizze des Übertag-Bahnsystems:


Bild: Das Übertag-Bahnsystem in seiner grössten Ausdehung; Karten-Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo


rot: gesichert (Foto-Dokumente, Luftbilder heute noch erkennbare deutliche Spuren)

grün: Bähnchen von der Schütthalde und vom Bremsberg zur Brennerei Lochezen (keine Verbindung mit dem Seemühlebähnchen). Indiz: deutlich erkennbarer 'schnurgerader' Weg von rechts zur Brennerei auf folgenden beiden Bildern:


Bild: Die Zufahrt von Bremsberg und Schüttrinne zur
Brennerei Lochezen um 1898.

Bild: Auch 100 Jahre später und heute ist diese Zufahrt
noch deutlich zu sehen.



Ein Stück dieses Bahndammes heute:



Viel später um 1960 wurde die Ostbahn der Seeemühle östlich der Verarbeitungsgebäude verlängert und führte über eine Spitzkehre in Richtung Arbeiter-Wohnhaus oben zu den Verarbeitungsgebäuden [R. Giovanoli]:


Bild: Die Spitzkehre im Jahr 1963 und Bootshaus des Militärs (erbaut 1944); Quelle: ETH-Bibliothek, Bildarchiv



Bild: Bahn-Trasse der Spitzkehre Ost um 1960

Ende Exkurs




Kleiner Exkurs:
Frühe überregionale Bedeutung der beiden Walenstadter Bergwerke

Beispiel: Wer heute über die Solisbrücke der Rhätischen Bahn fährt, hat unter sich auch Churfirstengestein aus der Seemühle und der Zementfabrik Unterterzen.

Bild: Schweizerische Bauzeitung, 1904.

Quelle: Illustrierte Schweizerische Handwerker-Zeitung, 1906.






Textausschnitt zum Bild links: Schweizerische Bauzeitung, 1904.



1913 erscheint in der Schweizerfamilie folgendes Bild:


(c) Archiv Schweizerfamilie.
Gemäss Bild-Daten wurde das Foto mit 'Blitzlichtpulver' (Magnesium) aufgenommen.


Der Originaltext dazu:
Zementbergwerk bei Walenstadt , Kt. St. Gallen. Hier befinden sich die einzigen Zementfabriken der Schweiz, die ihr Gestein unterirdisch abbauen. Mächtige Hallen, aus denen in jahrelangem Schaffen die Gesteine herausgebrochen wurden, sind von gewaltigen Säulen gestützt, und lange Gänge, von elektrischen Bogenlampen erhellt, führen ins Innere des Berges. Originalphotographie für die "Schweizerfamilie" von B. Wiese, Zürich.


Entgegen dem vielleicht ersten Eindruck ist das Foto im Bergesinnern aufgenommen worden: 'Blitzlichtpulver', beleuchtete Tunneldecke, keine Vegetations-Anzeichen und die Loks waren normalerweise bergauswärts vor dem Zug (beladene Wagen wurden gezogen, leere geschoben). Auch die nach links (= Ost) sinkende (ungestörte) Gesteinsschichtung rechts im Bild und an der Decke können als Indiz für die Blickrichtung bergauswärts des Fotografen gedeutet werden. Das Aufsuchen dieser Stelle - so sie denn heute noch in dieser Form besteht - wäre interessant, aber etwas zeitaufwendig.

Es wird für die stationäre Beleuchtung interessanterweise von elektrischen Bogenlampen gesprochen (die Bergleute selber dürften mit Karbid-Lampen gearbeitet haben). Entgegen zeitgenössischer Schreibweise wird Walenstadt hier - im Jahr 1913 - mit einem 'l' und Zement nicht mit 'C' geschrieben.



Vor allem das Cement-Geschäft ist zu jener Zeit durch Überkapazitäten und damit enormen Preiskampf belastet. Entsprechende Betriebe sind wie Pilze aus dem Boden geschossen: Betriebs-Zusammenschlüsse und häufg ändernde Strukturen und Namen sind die Folge. So schliesst sich Borner & Co mit der Rheintalischen Cementfabrik AG Rüthi und dem Betrieb in Unterterzen zur AG Ostschweizerischer Cementfabriken zusammen. Borner & Co verkauft aber bereits 1913 die Zementfabrikation (Ostteil des Seemühle-Fabrikkomplexes) samt zugehörigem Cement-Kontingent an die Vereinigten Schweizer Cementfabriken, welche die Cementproduktion in der Seemühle still legt und fabriziert fortan nur noch hydraulischen Kalk. 1914 schliesst die Fabrik in Rüthi, womit die Ostschweizer Vereinigung bereits wieder aufgelöst wird. Die stillgelegte Cementaufbereitungsanlage samt zwei Rotieröfen wird 1915 von Borner & Cie. wieder zurückgekauft. (Als Vermutung bleibt aus heutiger Sicht nur: Dieser Rückkauf war für den Einsatz zur Kalkproduktion geplant, denn - und dies ist für den weiteren Verlauf entscheidend - das Cementkontingent verblieb bei E. G. Portland.)


Um diese Zeit verfällt eine Konzession an Borner für ein Verbindungsgeleise Seemühle - SBB-Bahnhof Walenstadt (infolge Nichtumsetzung).





1913 - 1915

A. Borner ist 1915 also bereits wieder im Besitz der gesamten Seemühle-Fabrik. Die präzise Chronologie ist um diese Zeit komplex und wird in den Quellen entsprechend 'unklar' behandelt, was aber für einen Überblick nicht von entscheidender Bedeutung ist. Am Berg-Abhang hinter der Seemühle-Fabrik sind jedenfalls Senkungen und Risse wahrgenommen worden. A. Borner veranlasst eine fachmännische Untersuchung (Prof. Dr. A. Heim, ETH Zürich). In der Folge werden wertvolle Maschinen und Anlageteile des ehemahligen Cementwerk-Teils zur Kaliforni verlagert. Diese Räumung des stattlichen Ostteils der Seemühle wird sich 1916 als richtiger Entscheid erweisen. Was mit dem zur Kaliforni verlagerten Material passiert, ist nicht klar. Zur Cementproduktion kann es Borner infolge Verkaufs des Cementkontingentes ja nicht mehr verwenden, aber vielleicht für die Aufbereitung von hydraulischem Kalk. Nach Mangold gehen beim Hangrutsch allerdings auch zwei wertvolle Rotieröfen verloren, die im Ostteil, also dem ehemaligen Cementwerk der Seemühle zurück gelassen worden sind (da wirtschaftlich wohl nicht demontierbar).

Das folgende Fotodokument zeigt die Verarbeitungs-Anlage in der Kaliforni - aber noch ohne neue (Flachdach-)Lagerhalle - sicher deutlich vor 1918 (da das Foto die Cementfabrik Lochezen sogar noch mit dem Hochkamin zeigt):



1914

Ein erster Erdrutsch ob der (Seemühle-) Cement- und Kalk-Fabrik, also der späteren legendären Kalkbrennerei Seemühle, bleibt oberhalb der Fabrik stehen.






1916

Ein weiterer Erdrutsch dringt 1916 bis in das Gebäude dieser Cement/Kalkbrennerei Seemühle (siehe auch Zeitungsbericht etwas weiter unten). Auf folgendem Bild dazu ist rechts im Vordergrund die Schiene der Transportbahn zur Mühle/Mischerei/Packerei in der Kaliforni zu sehen. Weiter ist zu sehen, dass der Rutsch den Ostteil der Fabrik, also die Cementproduktion erwischt hat:


(c) Schweizerisches Bundesarchiv


Auf dem Westgeleise zur Lochezen hin zeigt das folgende Bild noch eine Lokomotive. Mauerreste des alten Bruchweges sind heute noch zu sehen, aber das Fahrsträsschen führt heute oberhalb derselben durch. Das Bahntrasse wird heute weiter in Richtung Walenstadt überquert:


(c) Schweizerisches Bundesarchiv



Das folgende Foto - auch von 1916 - zeigt das Verbindungsgeleise zur 'Westbahn' mit einsamer - vorher bereits erwähnter - Lokomotive. Wahrscheinlich handelt es sich um eine kleine Dampflok. Solche waren die Vorgänger der Benzol- und Dieselloks.

Aufgabe der oberen 'Westbahn' ist, das bei 'Tunnel West' und 'Tunnel Mitte' abgeworfene Gestein oben zur Seemühle zu bringen. Hinten verschwindet das Geleise der 'unteren Westbahn' nach oben rechts zur Weichen-Verbindung mit der 'oberen Westbahn'. Im Hintergrund ist die Lochezen noch ohne Uebertag-Förderband und ohne den hohen Verlade-Silo zu sehen. Die 'Ostbahn' (hier ihr Anfang unter dem Schutt des Hangrutsches begraben) verbindet die Seemühle mit der Mühle/Mischerei/Packerei in der Kaliforni.


Bild: Die untere Westbahn nach dem Hangrutsch 1916



Der Westteil der Fabrik (Kalköfen) wird anschliessend renoviert, der beschädigte Ostteil (Cementproduktion) abgebrochen. Zur Erinnerung: Fortan wird ohnehin nur noch hydraulischer Kalk produziert, weil das Cement-Kontingent schon früher verkauft worden ist.



Intermezzo

Die genauen Fakten um diese Zeit sind sehr komplex und finden sogar in einem Bundesgerichts-Verfahren (pdf) im Jahr 1915 ihren Niederschlag (also noch vor dem grossen Hangrutsch vom November 1916). Es zeigt sich bei diesem Prozess jedenfalls, dass infolge eines Überangebotes - Kalk-/Cement-Fabriken schossen um 1900 wie Pilze aus dem Boden - Konkurrenten aufgekauft wurden, um sie ausser Betrieb zu setzen und dies nicht einmal in erster Linie zur eigenen Gewinnoptimierung, sondern schlicht um geschäftlich überleben zu können.

Folgende zeitgenössische Zeitungsmeldung [Oberrheinische Nachrichten vom 2.12.1916] zeigt die komplexe Situation:



Der (verständlicherweise) 'unklare' Zeitungsartikel ermöglicht immerhin die Kenntnis des genauen Datums und des ungefähren Zeitpunktes des Hangrutsches: Sonntag, 26. Nov. 1916 um 00:30 Uhr.
Es bleibt indes offen, was mit 'Werk' gemeint ist: Die ganze Seemühle oder nur ihr Ostteil mit der Cementproduktion. Das ist auch nicht so wichtig, denn letztlich geht es in dieser verworrenen Geschichte - und dies ist entscheidend - wohl um das Cementkontingent an sich und nicht um ein 'physisches Gebäude'. Und dieses einst Borner gehörende Cement-Kontingent verblieb - auch nach dem Zurückkauf gewisser Gebäude(-Teile) - fortan bei den 'Lochezen-Betreibern', aber Borner wurde von deren Anschuldigung vom Bundesgericht freigesprochen, das Kontingent mit der Cementproduktions-Anlage im Wissen um den fälligen Hangrutsch seinerzeit ( wie bereits erwähnt) verkauft zu haben und damit über seinem tatsächlichen Wert. Immerhin war die E. G. Portland gar nicht am Gebäude, sondern am Cementkontingent interessiert.

Eine andere Frage kann nur spekulativ beantwortet werden: Warum verkaufte Borner eigentlich das Cementkontingent? Brauchte er flüssiges Betriebs-Kapital oder sah er bei den geltenden Cementpreisen keine Zukunft im Gegensatz zum Kalk? Aus heutiger 'Laiensicht' könnte hier eine erste - aber nicht hinreichende - verhängnisvolle Weichenstellung für die weitere Firmengeschichte erfolgt sein.





1916 ist auch das Geburtsjahr von Raoul Borner (1916 - 1982), des späteren Direktors der Seemühle Borner AG.





Spätere Entwicklung beider Bergwerke: Die 1920er-Jahre



Das folgende Luftbild von Walter Mittelholzer im Jahr 1919 zeigt die Verladestationen Äuli und Lochezen, die fehlende Brennerei in der Lochezen (2 Jahre vorher abgebrochen), die Lochezen noch ohne Hochsilo (der Aufbau dieses Seesilos mit Übertag-Förderband steht unmittelbar bevor), den Hafen Lochezen und das Arbeiterhaus (erscheint als weisses Kreuz [Fenster, Bäume]) von vor 1899, ferner die Seemühle und ihre zugehörigen Anlagen in der Kaliforni (u.a. 'Villa Borner' und Arbeiter-Wohnhaus):


Bild: Seemühle und Lochezen, Walter Mittelholzer, 1919; ETH Bildarchiv


1917 wird - wie schon erwähnt - die Brennerei in der Lochezen abgebrochen, da die Fabrik in Unterterzen jetzt vollständig genügt:


Bild: Die Cement-Fabrik Unterterzen, Walter Mittelholzer,1919; ETH Bildarchiv



Die folgende Siegfriedkarte von 1920 zeigt die 'gelichteten' Gebäulichkeiten in der Lochezen (Fabrik aufgegeben und abgebrochen), sowie die verkleinerte Seemühle (Bergsturz 1916) und darüber den Anrisstrichter. Auf dieser Karte erscheint zum ersten Mal die Schiffsverladestation Äuli (westlich der Lochezen) und auch wieder der Stollenbahn-Tunnel oben am Bruchweg:


Siegfriedkarte 1920; Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo






Dazu noch zwei interessante Ansichtskarten von vor 1916 (Seemühle noch mit Ostteil vor dem Hangrutsch):


Ansichtskarte: Seemühle in den 1910er-Jahren (Seemühle-Ostteil steht noch!)


Ansichtskarte: Unterterzen, Aeuli, Lochezen und Seemühle in den 1910er-Jahren (Seemühle-Ostteil steht noch!)




Das folgende Foto stammt aus dem Nachlass der Seemühle und ist ohne weitere Angaben beschriftet mit 'Arbeiter im Bergbaugebiet von Wallenstadt'. Es wurde - wohl etwa um 1920 - im Bergesinnern der Seemühle (nicht Lochezen) in der Sohle 0 mit der damals gängigen Blitzlichtpulver-Technik (Magnesium) von einem Profi-Fotografen gemacht. Rechts unten steht Adolf Borner mit seinem Hund:



Arbeiter im Bergbaugebiet von Wallenstadt



1921 sieht man noch deutlich das Rutschgebiet und den daher fehlenden Fabrikteil der Cement-Produktion. Zahlreiche Waldschneisen belegen die Bergbau-Aktivitäten:


Bild: Eidgenössische Landestopografie, swisstopo.




1921 sind auch einige Gebäude und der Tunnel 'Mitte' westlich der Seemühle zu erkennen:


Bildquelle: Eidgenössische Landestopografie, swisstopo.



Um 1928 macht Walter Mittelholzer folgende zwei Aufnahmen:


Die noch 'kleine' Zementfabrik in Unterterzen um das Jahr 1928




Die Anlagen der Seemühle Walenstadt im Abschnitt Kaliforni um das Jahr 1928 (Man beachte auch die Ost-Bahn-Anlage). Quelle: ETH-Bibliothek, Bildarchiv



Auf einem Foto - allerdings von 1946 - ist rechts unten ein Teil der Ostbahn mit einem Zug noch deutlich erkennbar. Nahe beim Zug verläuft das Geleise kurz S-förmig: Dies ist der Bahnübergang des Bruchweges. In der Bildmitte ist noch das Bootshaus des Militärs (Zusammenhang mit Militärspital) aus dem Zweiten Weltkrieg zu sehen:







Bild: Die Lochezen anfangs der 1920er-Jahre (Indiz: Die Leitmauer unterhalb des Chalets - bereits auf Fotos von 1927 sichtbar - fehlt noch). Zum ersten Mal sieht man das legendäre jahrzehntelang von weitem sichtbare Förderband. Die 1918 abgebrochene Zementfabrik fehlt natürlich. Unten links im Bild die Schiffs-Verladestation-West (Äuli); ETH-Bibliothek, Bildarchiv


Die eben erwähnte Schiffs-Verladestation Äuli von etwa 1900:


Foto: Hafen Äuli 1920; Eidg. Landestopografie swisstopo



Von der Rutschbahn ins Äuli hinunter sind heute noch Leitbleche in der Felswand zu sehen:





Das Äuli und sein Landzugang im Jahr 2016:










Bild: Eine Oase westlich der Lochezen
(links: ehem. Weg, rechts: ehem. Pflanzgärtchen)
'Vom Schiff aus gesehen' gibt der Äuli-Weg seine Geheimnisse nicht preis. Aber er kann 'im Prinzip' (auf eigenes Risiko: Signalisierte Steinschlaggefahr!) begangen werden, wie im Folgenden gezeigt wird:





Das folgende Bild zeigt eine Flugaufnahme von Walter Mittelholzer. Auf Grund von weiter oben erwähntem Indiz kann sie auf anfangs der 1920er-Jahre gesetzt werden. Das 'Chalet' oben im Bild beherbergt den zweiten Steinbrecher der Zementfabrik Unterterzen. Das zerkleinerte Gestein rutscht (etwas schräg nach rechts) durch eine im Bild sichtbare Rohr-Leitung zum freien Abwurf in den tief unten gelegenen 'Stausee'. Von dort geht es dann auf dem legendären Förderband zum Schiffs-Verladesilo:


Bild: Die Lochezen anfangs der 1920er-Jahre mit noch kleiner 'Staumauer'; ETH-Bibliothek, Bildarchiv



Ergänzung zum vorangehenden Bild:

Wer das 'Chalet' genau betrachtet, kann leicht sehen, dass es auf einer ganz alten Abwurfrinne steht, die Gestein bis zur Lochezen hinunter führte, zum selben Gesteins-Sammelbecken, wie das Schüttrohr des ersten Steinbrechers I. Der Chalet-Steinbrecher II nutzte aber nur noch den oberen Teil und bediente ein Schüttrohr, das mehr nach Osten zum neuen bereits erwähnten offenen 'Staumauer-Silo' führte. Auf neueren Bildern [erstmals 1927] erscheint als weiterer 'Schütt-Kanal' die heute noch existierende oben erwähnte 'Leitmauer', die das Gestein durch einen Tunnel zum offenen Abwurf ebenfalls zum 'Staumauer-Silo' leitete. Der Ausgang dieses Tunnels liegt neben dem Förderband-Abwurf-Gebäude, das bei der unten verlinkten 'Begehung' fotografisch dokumentiert wird.


Bild: Die erwähnte Leitmauer rechts unterhalb des Chalets
auf einer Flugaufnahme von 1927 (Walter Mittelholzer)





Dieser See-Silo-Umladehafen Lochezen ist ab etwa 1921 in Betrieb:










Noch in den 1920ern wurden die Silomauern erhöht.



Bild: Die noch gut erhaltenen Silo-Begrenzungsmauern.



Bild: Die weniger bekannte und versteckte hintere Silo-Begrenzungsmauer.



Bildergalerie zur noch gut erhaltenen vorderen Silomauer:

01_mauer_total.jpg
Gesamte Mauer
02_Foederband_See-Silo.jpg
Föderband zum See-Silo
03_mauer_unten.jpg
Mauer unten mit Durchgang Sitz-
bach (links unten im Bild) und
Förderband-Ausgang
04_Foerderband_Offen-Silo_Auflad.jpg
Foerderband Auflad wahlweise
aus Offensilo oder Untertagsilo
05_mauer_oben.jpg
Mauer-Leiter



Exkurs

Besuch eines ultimativen 'Lost Places'

Dieser Offensilo und seine 'Unterwelt' befinden sich seit Betriebsaufgabe 2001 in einem Dornröschenschlaf. Valentin Schoch, Sargans, führte wohl eine Erstbegehung dieses 'lost places' durch und dokumentiert dies unter folgendem Link:

Die Geheimnisse des Sitzbachtobel-Silos




Der 'Bahnhof' Kaliforni (Seemühle) in den 1920er-Jahren:
(Man beachte die Kohlen/Koks-Berge für die Brennöfen in der Seemühle.)


Bild: Der Bahnhof Kaliforni in den 1920er-Jahren


Rückführung eines Leerzuges mit einer MFO-Akku-Lok [Quelle: Michael Fontanive] von der Kaliforni zur Seemühle in den 1920er-Jahren:


Bild: Ein Leerzug fährt zur Seemühle zurück


Bald nach 1900 wurde auch westlich der Lochezen (Äuli) Gestein durch Schüttrohre zu Tal befördert:


Bild: Infrastruktur Lochezen-West





Bilder: Schüttleitung vom (noch nicht existierenden) 'grossen Platz' zum Seeufer (Äuli) hinunter


Auch vom zweiten Steinbrecher ('Chalet-Steinbrecher') wird ab 1920 das Gestein noch in einem Schüttrohr zum offenen Staumauersilo hinunter befördert. Die spätere schräge Führungsmauer für offenen Transport unterhalb des 'Chalets' besteht noch nicht:


Bild: Der 'Chalet-Steinbrecher' bis in die 1950er-Jahre (hier noch mit anfänglichem Schüttrohr-Ausgang).



Bild: Oberhalb des 'Steinbrecher-Chalets' ist das Gesteins-Sammel-Becken zu sehen.


Folgende Ansicht zeigt die Gesamtsituation der beiden Bergwerks-Gesellschaften am Nordufer des Walensees und den ungefähren Grenzverlauf zwischen den beiden Werken.:


Bild: Ungefährer Grenzverlauf (untertag etwas 'wässrig'); Foto: swisstopo



Folgende Fotos stammen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (Bildchen anklicken).
Die genauen Aufnahme-Orte sind unbekannt. Es könnte sich um Lochezen-Gebilde handeln, die durch den Abbau beim Grossen Platz 'verschwanden'. Es muss sich hier um eine Begehung im BW Lochezen mit Behörden-Mitgliedern oder Bergbau-Spezialisten handeln.







1930: Der Name CKU erscheint

Ausscheidung des Betriebes Lochezen/Unterterzen als Cement- & Kalkfabrik Unterterzen A. G. (CKU) aus der Schweizerischen Cement-Industrie-Gesellschaft A. G.. Letztere besteht als Holdinggesellschaft in Heerbrugg weiter.





1934 (9. März) ist ein Unfall zu beklagen:


e-newspaperarchives.ch




Um 1936

Das Strässchen Walenstadt Hafen nach Lochezen wird auf die heutige Breite und Begradigung ausgebaut. Zu dieser Zeit wird auch die - nicht realisierte - Verlegung eines Seekabels von Unterterzen zur Lochezen (2.4 km) diskutiert. Schliesslich wird aber eine Elektrizitätsversorgung ab Walenstadtberg verwirklicht.

Aus dieser Zeit um 1936 dürfte das folgende Bild der Cementfabrik Unterterzen stammen. Am Gegenufer die Verladestation Lochezen und etwas rechts davon die Kalkbrennerei Seemühle:






Um 1937

Um 1937 erreicht der Übertag-Abbau nördlich des Grossen Platzes einen Dom des Untertag-Abbaues, wodurch das heute auffällige mächtige Felsfenster entsteht:


Bild: Das Grosse Fenster über der Bildmitte.




Durch den Tagbau wird auch ein älterer (Neben-)Bahnstollen unterbrochen. Dies ist aber nicht der grosse Hauptförderstollen zu den nördlichen Untertag-Abbaugebieten. Letzterer liegt weiter nördlich (heute unter dem Schutt):


Bild: Der erwähnte angerissene alte (Neben-)Bahn-Stollen und der 2019 gegen weitere Verwitterung abgedichtete Pfeiler.





1941: Das legendäre Militärspital Lochezen/ Walenstadt wird errichtet

Das unterirdische Militärspital / Feldspital wird in die ältesten (heute 'mittleren') Kavernen des Lochezen/Seemühle-Komplexes eingebaut. Diese Kavernen sind seit 1913 leer gestanden. Das Spital besteht aus etwa 25 Holz-Baracken, ist vollständig ausgerüstet (220 Volt Elektrizitätsversorgung, Kanalisation, Wasserversorgung) und für eine gewisse Zeit sogar 'autark'.

Die folgenden beiden Bilder basieren auf Originalplänen und zeigen das 'Barackendörfchen' (orange: gebaut, blau geplant). Die effektive Bauausführung hat kleine Abweichungen. Man beachte, dass das gesamte Gelände von rechts (Ost) nach links (West) stark ansteigt, was auf einem Grundriss naturgemäss nicht zur Geltung kommt. Ausgerüstet ist das Spital für 280 Patienten, kurzzeitig aufrüstbar auf 400 Patienten. Der Erweiterungsbau auf 1000 Patienten wird aber nicht mehr realisiert. Für die Zuführung der Patienten steht bis zum Bootshaus Seemühle ein Motorboot zur Verfügung, von dort ist ein Pferdewagen-Transport via Bruchweg eingerichtet. Eine zusätzlich aufgebaute Militär-Luftseilbahn ist v. a. für Materialtransporte zuständig.

Die Trennmauer (Nr. 26) ist als Emissions-Abschirm-Mauer errichtet worden, da das unmittelbar östlich anschliessende Bergwerk Seemühle natürlich auch während des Krieges in Betrieb ist.


Unterirdisches historisches Militärspital Lochezen/ Walenstadt. Bild links: realisiert (orange); Bild rechts: zusätzlich nur geplanter Ausbau (blau); (c) sarganserland-walensee.ch

Legende:

A, B, C, D ‚Stockwerke' (Kalkabbau durch Tröger ff. bis 1913)
1. Zufahrt und Eingang ab Walenstadt
2. Wache
3. Büro
4. Sanitätspersonal
5. WC
6. Aufnahmestelle
7. Kehrplatz
8. Rampe
9. Aufgang
10. Aufnahmestelle
11. Aufnahmestelle
12. Gepäck
13. Bäder
14. Duschen und Wäscherei
15. Verbandstation/Operation
16. Verbandstation/Operation
17. Nicht-Transportfähige
18. Labor und Apotheke
19. Sezierraum/Tote
20. Nicht realisierter Aufzug
21. Küche
22. Lebensmittel
23. Verpflegungsstelle
24. Warmwasser-Aufbereitung mit Kamin
25. Kläranlage
26. Trennmauer zum Seemühle-Bergwerksbetrieb (Emissions-Schutz)
27. Holz (Brennholz-Vorrat)


Das Barackendörfchen 'Militärspital Lochezen/Walenstadt'


Bild: Die Wachbaracke und die Bürobaracke gleich am Eingang in der Bauphase 1941



Bild: In Richtung Zentrum des 'Dörfchens': Baracken für Aufnahme, Operation und Verband



Ab 1947 wurde das Militärspital ersatzlos wieder abgebaut (offiziell wegen Feuchteschäden/ Zerfall an den Baracken), was zu kontroversen Diskussionen bei den zuständigen Militärs führte. Denn es war der Beginn des Kalten Krieges und ein atomares Aufflammen (taktischer Atomwaffen-Einsatz) des Krieges lag eindeutig im Bereich des Möglichen (Aufstände: DDR, Ungarn; Kuba-Krise; Aufstand Tschechoslowakei, ...). So entstand in den 1950er-Jahren immerhin ein Konsens, dass für dieses Militärspital ein (strahlensicherer) Ersatz bereitgestellt werden musste. Es entstand u.a. ein Plan für einen neuen Massivbau am selben Ort in den Lochezen-Stollen:




Bild: Seitenansicht des 4-stöckigen Spital-Gebäudes von der Felsfensterreihe aus gesehen.
Quelle: Schweizerisches Bundesarchiv



Da die Festungen Sargans nur eine ausreichende - aber gefährdete und enge - ganzjährige Verbindung zum Reduit hatten [Kerenzerberg], war ein Militärspital für diese Region unbestritten. Vorangehender Plan wurde aber nicht realisiert, einserseits auf Grund ungünstiger geologischer Gutachten, anderseits aus Kostengründen im Vergleich zu anderen Lösungen. Erst 1984-1989 wurde aber das allgemein anerkannte Problem 'konsensfähig' gelöst: Bau einer unterirdischen geschützten Operationssstelle (GOPS) für Militär und Zivilschutz, aber nicht mehr in der Lochezen.


Folgender Link führt zu einer unsystematischen kleinen Auswahl geologischer und militärischer Original-Statements zum Problemkreis 'Militärspital Lochezen':

Geologische und militärische Original-Statements zum Militärspital Lochezen (pdf)




Die Waldschneise der historischen Militärseilbahn Lochezen (rote Pfeile) auf einer Luftaufnahme von 1942:


Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo



Das folgende Doppel-Bild zeigt CH-Militärseilbahnen, aber nicht die Lochezenbahn.
Zum Komfort darf man sich aber keine übertriebenen Vorstellungen machen:






Die Lochezen-Militärseilbahn war auch der Anfang einer Not-Transportkette ins Innere des Reduits
für Verwundetenverlegung. Siehe dazu folgenden Exkurs:





Exkurs

Die historischen Militärseilbahnen über den Risetenpass und den Pragelpass



Für das historische unterirdische Militärspital Lochezen/Walenstadt und die Festungen im Sarganserland (2. WK) suchte man eine Notverbindung ins Innere des Reduits zur Umgehung der allenfalls gekappten Wege beim Kerenzerberg (Bahn/ Strasse) und/oder in der Linthebene. Diese Transportkette führte via Militärseilbahnen (MLS) über den Risetenpass (4.8 km lange MLS schräge Länge; 2 Sektionen) und den Pragelpass (9.6 km lange MLS schräge Länge; 3 Sektionen) ins Muotatal:


Bild: Militär-Seilbahnen: blau, Strassentransport: rot.




Link: Dokumentation dieser beiden Militärseilbahnen








Um 1941


Siegfriedkarte 1944; Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo

(1) Arbeiterwohnungen CKU und Schiffs-Verlade-Hafen
(2) Historischer Stolleneingang Tröger und Lage des unterirdischen Militärspitals / Feldspitals
(3) Militärseilbahn zur Versorgung des Militärspitals / Feldspitals (dürfte auf einer 'zivilen' Karte eigentlich nicht erscheinen)
(4) Uebertag "Westbahn" des Grubenbähnchens (unten an die Rutschrinnen)
(5) Kalkbrennerei
(6) Abladebahnhof
(7) Übertag "Ostbahn" des Grubenbähnchens (zur Mühle/Mischerei/Packerei)
(8) 'Villa Borner'
(9) Mühle/Mischerei/Packerei
(10) Arbeiterhaus




Die Seemühle 1942 mit Transportbähnchen (knapp oberhalb des 'Seeufersträsschens') zur Mühle/Mischerei/Packerei. Zu sehen sind auch die 'Villa Borner', das Arbeiter-Wohnhaus und ein Teil des Kaliforni-Weinberges:


Bild: Seemühle Walenstadt, gesamte Anlage um 1942; Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo




So zeigte sich die Seemühle im Zeitraum der 1940er-Jahre (Bilder anklicken):

absackerei.jpg
Mühle/Mischerei/Packerei
militaerboot.jpg
Militärboot der kleinen Walensee-
Flotte im Zweiten Weltkrieg
seemuehle-komplet.jpg
Seemühle_gesamt
seemuehle.jpg
Seemühle


Aus dem Album von Ursula Zanetti-Borner
© Ursula Zanetti-Borner
Familie_Borner-Huber.jpg
Familie_Borner-Huber

v.r.n.l.:
Adolf Borner, Max Borner,
Raoul Borner; ?; ?;
Adrienne Borner-Huber
Adolf_Borner-Huber.jpg
Adolf_Borner-Huber

(1871 - 1966)
Adrienne_Borner-Huber.jpg
Adrienne_Borner-Huber

(1878 - 1968)
0139e.jpg
Adrienne Borner-Huber
und Mitarbeiter





Um 1950

Ab 1950 ergänzt eine neue Stadler Akkulok (auf dem Rahmen einer Lochezen-Benzollok von 1922) den Lokpark:



Die folgenden Fotos (anklicken) zeigen jeweils den selben Stadler-Zug (heute: StadlerRail) auf der obersten Geleise-Ebene.

Der 'Stadler-Zug' der CKU/Lochezen um 1950 (anklicken):


Bergwerksbahn_Lochezen_c.jpg
Zug abladbereit auf
oberster Brücke
Bergwerksbahn_Lochezen_b.jpg
Zug nach Ablad
etwas zurückgesetzt
Bergwerksbahn_Lochezen_a.jpg
Zug nochmals zurückgesetzt


Bei der Borner AG soll ein Umbau und eine Renovation der Anlagen helfen, den in die Jahre gekommenen Betrieb wieder den Erfordernissen der Zeit anzupassen. Aus was für Gründen auch immer - ein weites Feld für Gerüchte und Spekulationen - bleiben 50 cm- Spurweite, romantische, aber obsolete Kipploren und andere Antiquitäten bestehen, was irgendwie den Beginn eines schleichenden Niederganges signalisiert.





1948

Die Umladestation der Cementfabrik in Unterterzen wird ebenfalls ausgebaut und erneuert. Hier diese Bauphase:







1949

Abbruch des Militärspitals / Feldspitals. Verkauf der Baracken für Fr. 1000 bis Fr. 1900. Interessant wäre natürlich zu wissen, ob der Verkauf 'ab Platz und ohne Demontage' erfolgte und ob der Abtransport noch mit der Militärseilbahn stattgefunden hat.






1953

Eine Luftaufnahme von swisstopo (stark vergrösserter Ausschnitt):

Die Lochezen um 1953 mit Förderband vom Auffangbecken (weiter oben erwähnt) zum Verladehafen. Oben über einer Abwurfhalde sind die berühmten drei heute noch bestehenden Brücken der Stollenbahn zu sehen:


Bild: Die Lochezen, gesamte Anlage um 1953; Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo



In die 1950er-Jahre dürften auch die folgenden Fotos zurückgehen:

Kaliforni in den 1950ern (und nach 2000):




'Villa Borner' und Mühle/Mischerei/Packerei:






Foto: Seemühle und Lochezen um 1960.




Vom Tunnel 'Ost' führt heute noch ein direkter und - soweit identisch mit dem Waldlehrpfad - gut erhaltener - aber schliesslich durch ein 'Tor' (zum Weinberg-Areal) mehr oder weniger unterbrochener - Weg durch den Wald zur (ehemaligen) 'Villa Borner' und zum (ehemaligen) Arbeiterwohnhaus:





An diesem Weg findet man oberirdische Teile einer Druckluft- und einer Wasserleitung, letztere führt in Richtung Seemühleweiher hinauf und kann vom Waldlehrpfad aus noch an etlichen Stellen gesehen werden:







Bild: Auf dem Grundbuchplan von ca 1922 sind die beiden Seemühleweiher (rote Pfeile) zu finden.




Spuren der Seemühleweiher

Linkes Bild:
Die beiden Seemühleweiher auf einem Luftbild (swisstopo 1942) ...

Mittleres Bild:
... auf einem Uebersichtsplan, 1960er-Jahre (Seemühle fehlt, Villa Borner steht noch) ...

Rechtes Bild:
... und im Detail (swisstopo 1942)








Heute sind die Weiher vollständig mit Geschiebe aufgefüllt und praktisch verlandet:


Bild: Der obere, grössere Seemühle-Weiher





Bild: Die Staumauer des oberen, grösseren Seemühle-Weihers







1956

Etwa von 1954 bis 1960 erfolgt eine Neuorganisation des Abbaues und eine neue Infrastruktur zum weiteren Gesteinsabbau wird aufgebaut. Es beginnt jetzt auch umfangreicher Übertagabbau. Ein neuer Steinbrecher(-Ost) im Berg drin (hinter dem ‚Chalet') wird errichtet als Ersatz für den alten Steinbrecher im weitherum sichtbaren Häuschen ('Chalet'). In diesem Zusammenhang wird der bekannte Schrägaufzug durch Arbeiter der CKU unter Verwendung von Material der Firma Von Roll gebaut. Der neue Steinbrecher-Ost:


Bild: Steinbrecher-Ost oben








Auch die Seemühle blieb vor tragischen Unfällen nicht verschont:




30.07.1955 [e-newspaperarchives.ch]



21.07.1956 [e-newspaperarchives.ch]



Um 1960


Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo

(1) Heutiger Schrägaufzug
(2) Arbeiterwohnungen CKU
(3) Förderband zur Schiffs-Verladestation
(4) Ganz ungefährer Grenzverlauf CKU / Borner AG
(5) Tunnel-Portal Sohle 0
(6) Kalkbrennerei
(7) Verbindungsbähnchen Kalkbrennerei - Mühle/Mischerei/Packerei
(8) 'Villa Borner'
(9) Mühle/Mischerei/Packerei
(10) Arbeiterhaus
(11) Bootshaus (Militär)




Die Cementfabrik Unterterzen um 1960 im Vollausbau:


Bild: Die Zementfabrik Unterterzen um 1960



Bild: Zementfabrik Unterterzen mit Seemühle und Silo mit Förderband Lochezen im Hintergrund (um 1960)




1963

Die Löhne bei der CKU:


e-newspaperarchives.ch





1963 bis 1967

Obwohl der Kalkstein/Kalk an sich von guter Qualität ist, arbeitet die Zeit gegen die Seemühle Borner AG. Als ein nachvollziehbarer (externer) Grund erscheint eine sinkende Nachfrage nach Kalk. Das Cement-Kontingent ist viel früher - zur bereits erwähnten Zeit des Preiszerfalls - an Schmidheiny verkauft worden. So bleibt wohl als Folge, dass es für eine nicht zu den Portland-Cementfabriken gehörende Bergbaufirma, die ohnehin nur noch Kalkabbau und Kalkbrennen betreiben darf, immer schwieriger geworden ist, auf eigenen Füssen zu stehen. Geschäftsstrategisch ungünstig ist ferner die verpasste sachgerechte Um- und Aufrüstung untertags. Während 'Schmidheiny' aus dem Vollen schöpfend längst aufgerüstet hat, geht dem Betrieb der Borners so allmählich der Schnauf aus. Als 'interne' Gründe können rückblickend gewisse bereits erwähnte Strategiefehler, aber auch 'suboptimale Aufteilung finanzieller Mittel auf den Geschäftsbereich und Privatbereich' [gemunkelt wird u. a. von teuren Hobbies Raoul Borners, z. B. von teurer Privatfliegerei] vermutet werden, begleitet von unverschuldetem wirtschaftlichem Pech in Afrika (politische Umwälzung). 'Gewisse Differenzen' innerhalb und zwischen den beteiligten Familien waren dem Betrieb wohl auch nicht förderlich.


Bis 1968 gibt es einige nicht besonders transparente 'Handänderungen'. Im Jahr 1962 wird die Seemühle 'inventarisiert', 1963 werden die Maschinen der Seemühle abgestellt und der gesamte Besitz an einen gewissen Hans Ulrich Walder verkauft. Dieser verkauft bereits 1964 den gesamten Besitz an eine Firma Califor Immobilien unter dem Namen Kalkfabrik Walenstadt A.G.:


Quelle: S.H.A.B.


Die Firma Califor Immobilien wurde kurz zuvor im selben Jahr gegründet (Kaliforni --> Califor? Ein Schelm, wer Böses denkt):


Quelle: S.H.A.B.



Wieder nur ein Jahr später - also 1965 - verkauft die Califor die Kalkfabrik Walenstadt A.G. an den Bund. Der Bund (Militär) beseitigt 1967 die 'überirdischen' Spuren dieser gut hundertjährigen Industrieepoche mit Sprengstoff. Die Transaktion geschieht offiziell um Rebland zu gewinnen (für die Forschungsanstalt Wädenswil) und 'um das Walensee-Ufer zu verschönern'. Eine interessante Bergbauepoche in Walenstadt hat sich so im 'Nichts' aufgelöst.

Spekulation: Hinter den Kulissen dieser 'Verkaufs-Kaskade' könnte nebst anderem ['kurzfristiger Handel mit Gewinn-Abschöpfung'] ein 'Deal' um ein Kalk-Kontingent eine Rolle spielen. Letzteres kann man mindestens aus den neu entstandenen 'geschäftlichen Verbindungen' zwischen 'Lochezen' und 'Seemühle' herauslesen:


Quelle: S.H.A.B.


Interessanterweise wurde die Kalkfabrik Walenstadt A.G. erst 1971 aufgelöst, nachdem die Sprengungen schon vier Jahre vorher erfolgten:


Quelle: S.H.A.B.


Aber auch anderweitig sind in dieser Bergwerks-Oase [und im Berg drin ...] 'nicht-lupenreine Dinge' geschehen. Die präzise 'geschichtliche Wahrheit' lässt sich allerdings kaum mehr eruieren, aber ein ungutes Gefühl bleibt. Ein Optimist kann es auch so sehen: Die Faszination eines 'Mysteriums' geht nicht zuletzt auch von der Unmöglichkeit seiner Durchschaubarkeit aus.


Auf folgenden Fotos sind das hölzerne Fabrikgebäude und der kleinste der vier Kamine bereits 'von Hand' abgebaut:




Bilder: 11. April 1967, nur eine 'Luftschutzübung' ...? [e-newspaperarchives.ch]



Zeitungsmeldungen dazu:






Und im selben Jahr (Sept. 1967):


Links: 'Sarganserländer'; Rechts:'Neue Zürcher Nachrichten'





1974

Der Steinbruch Engen (westlich des grossen Platzes) wird mit einem neuen grossen Kavernen-Steinbrecher (dem zweitgrössten der Ostschweiz) in Betrieb genommen (Bauzeit 1968 - 1974). Der zugehörige neue Förderstollen zu demjenigen des bereits bestehenden des Steinbrechers-Ost verlängert den gesamten Förderbandstollen auf rund 410 m.

Die Zementfabrik Unterterzen hat ihre höchste Ausbaustufe erreicht. Zwei Kamine sind jetzt in Betrieb.

(Dieser neue grosse unterirdische Steinbrecher-West und sein 290 Meter langer Zusatz-Förderband-Stollen zum Steinbrecher-Ost werden ausführlich bei der weiter unten verlinkten 'Fotodokumentation einer Stollenbegehung') vorgestellt.





1981

Im Folgenden zwei Bilder der Swissair Photo AG von 1981. Die CKU ist noch voll in Betrieb.


Bild: (c) Swissair Photo AG, 1981



Bild: (c) Swissair Photo AG, 1981





Um 1990

Zu dieser Zeit ist die Abschaffung des Begriffs 'Eigenverantwortung' in Politik und sogenannter 'Rechtslehre' schon weit fortgeschritten und - Kiffer und Co. suchen die Stollen heim. So sind die Stolleneigentümer gezwungen, dem irrlaufenden akademischen Zeitgeist entsprechend, das schmucke Tunnelportal auf Sohle 0 und den entsprechenden oberen Ausgang beim ehemaligen Militärspital / Feldspital mit Gittern zu versehen, um nicht in ein juristisches Fettnäpfchen zu treten.




1991/2


Die CKU stellt den Betrieb in der Lochezen ein und die Holding (Holderbank, ab 2001 Holcim) verlagert diese Aktivitäten zum Zementwerk Untervaz.




1995/6



Die Seekies AG Walenstadt übernimmt die Anlagen zur Produktion von sogenanntem 'Koffermaterial'.

Nach umfangreichen Reparatur-Arbeiten gehen die Anlagen wieder in Betrieb, vergleichbar mit den Aktivitäten der CKU. Beim Schrägaufzug von 1956 werden der Antrieb und Teile der Bremsen ersetzt oder nachgerüstet und eine elektronische Steuerung eingebaut. Es erfolgt Umbau auf 380 V und Errichtung von Fernbedien-Stationen an den Haltestellen (Arbeiten durch die Firma BMF, Bartholet, Maschinenbau Flums). In Unterterzen benötigt eine Schiffsentladung ca 3 Stunden. Sie erfolgt mit einem 'Greifer'. Der Kiesverlad erfolgt ferngesteuert ab der Kies und Beton AG Flums via ISDN-Leitung mit einer Verladeleistung von 100 m^3/h.



Zwei Fotos aus den Tagen der endgültigen Aufgabe des Lochezen-Bergbaus:


Bild: Der Abbautrichter Engen in einer Luftaufnahme



Bild: Luftbild von 2000 (das legendäre Übertag-Förderband steht noch); swisstopo.






Der Schiffstransport Lochezen - Unterterzen erfolgte ähnlich demjenigen der Vorgänger-Firmen:

Im Bild links: Die Schiffstaufe der See Kies AG im Fabrik-Hafen Unterterzen durch Pater Wolfrid Zihlmann vom Kapuzinerkloster Mels. Das bisherige Lastschiff ‚Zustoll' (Jg 1968, 40 m x 7.5 m, Leergewicht 80 t, 300 t Zuladung, 2 Motoren zu 105 PS von der CKU übernommen) wurde auf ‚Walenstadt' umgetauft. Das vom Schiffbetrieb Walensee AG vom Zürichsee durch den Linthkanal auf den Walensee überführte Lastschiff ‚Züri' (Jg 1952, 32 m x 6.2 m, 200 t Zuladung) wurde auf ‚Unterterzen' umgetauft.

Bilder: Pius Rupf, Sarganserländer





1999

Bau der Krananlage der Firma Fatzer AG und damit zwangsläufig teilweise Entfernung von Geleiseanlagen.






2001

Auch die Seekies AG stellt ihren Betrieb ein. Die Anlagen werden teilweise rückgebaut. Dabei verschwindet u. a. leider auch das charakteristische Übertag-Förderband zum Verlade-Silo am See (Sicherheitsgründe, es wurde von 'Besuchern' als Eingang zum Silo-Turm begangen). Auch die grünen Metall-Rutschen für Schiffsbefüllungen wurden entfernt, da sie als Springtürme benutzt wurden.






GEOBRUGG (Fatzer AG + Kabelwerke Brugg) und weitere Firmen und Institute betreiben seit 2001 im ehemaligen Steinbruch Lochezen bei Walenstadt SG eine Versuchsanlage für Steinschlagschutzsysteme:




Start Video: Mausklick ins Bild






Und noch ein Blick auf das Bergwerk Lochezen um 2001 kurz vor der Demontage des Förderbandes und etwas später der Schiffs-Verlade-Rutschen und Holz-Innenleiter:





Die heute noch eruierbaren vier Lochezen-Steinbrecher mit den Jahreszahlen ihrer Inbtriebnahme:





Die verschiedenen Wege des Gesteins zur Lochezen hinunter nach aktuellem Erkenntnisstand:








2010


Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo

Heute bieten sich auch gerade im Gebiet Seemühle - nicht nur bei der Lochezen - faszinierende Spurenfunde an, besonders im Untergrund. Aus dieser Zeit zurückgeblieben ist ein grosses und interessantes Höhlensystem mit Überresten von technischen Einrichtungen als Zeugen einer interessanten Industrieepoche, die aber auch menschliche Entbehrungen mit sich brachte und mit der heutigen Arbeitswelt nicht verglichen werden kann. Dafür haben wir heute allerdings wieder andere Probleme.





Lochezen / Seemühle Stollen-Plan:

Die Höhlensysteme der Lochezen und der Seemühle zeigen sich heute als fantastische und gigantische Labyrinthe, in denen man sich problemlos total verirren kann. Zwar existieren aus den Betriebszeiten recht komplexe Stollen-Pläne für beide Bergwerke, aber diese Pläne sind - da dreidimensional - eher schwer verständlich. So wird hier eine allgemein-verständliche nur schwerpunktmässige Skizzierungen gezeigt. Diese zeigt im Folgenden ansatzweise das Grundgerüst der beiden Stollen-Systeme und ist bei Weitem nicht vollständig, aber was die roten Linien betrifft amateurmässig ordentlich vermessen (Messband und Kompass). Gelb punktiert (nicht vermessen, nur nach Erinnerungen skizziert) ist die früher mögliche und von etlichen Schülern - auch vom Verfasser selber - begangene Rund-Tour. Dieser Rundgang ist heute - wie bereits beschrieben - nicht mehr möglich. Blau punktiert ist eine Abzweigung in eine vom Autor verpasste unbekannte Stollen-Region.

Selbstverständlich ist und vor allem war das Stollensystem weitaus komplexer als hier skizziert! Einige Teile fehlen heute (wo heute der künstliche Grosse Platz ist, oder sie sind nicht mehr zugänglich.


Legende:

  1. Tunnel ‚Ost' [1896]
  2. Erster Dom
  3. Steinhalde (Ende hist. Rundtour)
  4. Fenster SE und Fenster NW
  5. ‚Schikane' (Steinhalde runter und rauf)
  6. Ostabzweigung mit rechtskurviger Steinhalde
  7. Seemühle ‚Hinterzimmer 2'
  8. Seemühle ‚Hinterzimmer 1'
  9. Zwilling-Tunnels mit verschüttetem Rundtour-Eingang
  10. Region ‚einsames Wägelchen'
  1. 110° Abzweigung
  2. Tunnel ‚Mitte' [1892]
  3. Eingang Verbindungstunnel (Varianten-Verzweigung)
  4. Silo mit punktiertem ‚Extremzugang'
  5. Rostige Leiter zur Seenplatte
  6. Tunnel ‚West' [um 1900]
  7. Bahndamm
  8. Personendurchgang (Gitter) zum hist. Militärspital
  9. Historisches Militärspital (siehe Detail-Plan)
  10. Eingang ‚oberes Bergwerk'
  1. Lokdepot/Bahn-Werkstatt
  2. Der Grosse Platz
  3. Unterirdischer Förderband-Stollen
  4. Steinbrecher Engen IV West unterirdisch
  5. Felsfenster (Auswurfstollen)
  6. Uebergabestation Förderband/Steinbrecher Ost III unterirdisch/'Treppenhaus'
  7. Material-Seilbahn (Rudimente)
  8. Schrägaufzug (in Betrieb)
  9. Förderband Uebertag-Silo nach See-Silo (abgebaut)



Spezielle Themenkreise (u. a. Geheimnisse, geologische Zukunft)


1. Das mysteriöse Ende der Seemühle

Die nebulöse Verkaufskaskade nach dem Konkurs der Seemühle wurde bereits weiter oben genauer betrachtet und mit Quellen dokumentiert.

Zur Ergänzung - aber ohne Gewähr für Richtigkeit - folgendes 'on-dit':

Wie bereits erwähnt ging die Seemühle um 1965 in Konkurs. Es gab zwei Personen-Gruppen, die sich für den Erwerb der Konkursmasse interessierten. Den Zuschlag erhielt schlussendlich die 'Schmidheini-Gruppe'. Dabei scheinen bilaterale Kollegialitäten - teilweise sogar aus der Studentenzeit - Einfluss gehabt zu haben. Eine entscheidende Aktion in dieser Kaskade wurde ausserhalb Bürozeiten getätigt, um im Umfeld der anderen Interessenten-Gruppe nicht aufzufallen [und wohl vollendete Tatsachen zu schaffen].

Der Handel erfolgte - wie bereits beschrieben - über eine Handänderungs-Kaskade und ging im Wesentlichen folgendermassen über die Bühne: Anfangspreis, einschliesslich der Villa Borner: Fr. 250'000. Inbegriffen im Kaufpreis war das 15%-Kontingent an der Schweizer Kalkproduktion. Wenig später verkaufte in einer letzten Transaktion dieser Handänderungs-Kaskade die ‚Gruppe Schmidheini' dem Bund - 'on dit' unter Mithilfe von Bundesrat Chaudet [Bundesrat 1954 bis 1966, EMD] - die gesamten Seemühleanlagen für 1 Million Franken, aber ohne das Kalkkontingent, welches wohl an die Gruppe Schmidheini nach 'Unterterzen' abgezweigt wurde.

Der Bund (EMD) übertrug den geeigneten Teil des Geländes an die Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau, Wädenswil. Der östlichste Teil diente einige Zeit als Zielhang für Schiessübungen (Schiessschule Walenstadt) und wurde 2019 neu und naturnah aufgeforstet.

1967 fanden eigentlich erstaunlich schnell die erwähnten Sprengungen der Seemühle durch die Genietruppen statt. Die Villa blieb bestehen, wurde jedoch von Vandalen und 'Sammlern' heimgesucht und fiel schliesslich dem erwähnten Brand zum Opfer.

Dazu eine ebenfalls nicht mehr mit vertretbarem Aufwand verifizierbare Schilderung. Sie ist nicht absolut deckungsgleich mit dem Vorangehenden, hat aber den selben 'Grundgehalt':






2. Das heutige vorzeitige (geometrische) Ende und die 'Umnutzung' der Sohle 0

Diese bereits mehrfach erwähnte 'Geschichte' mag vielleicht belanglos scheinen, nicht jedoch Stollengängern, denen ein interessantes Forschungs-Gebiet tief im Berg drin entzogen wurde (Rund-Tour, sowie Suche nach dem Ende des 'Geradeaus-Stollens' bei der Ostabzweigung in der ehemaligen Rundtour).

Auf Basis allgemein zugänglicher Informationen lässt sich folgendes Mosaik zusammensetzen:

Es stand 'irgendwelches Material unserer Obrigkeit' zur Entsorgung an. Es wurde vermutlich eine Art 'inoffizielles Berthold Schwarz Museum' [Franziskaner-Mönch und Allchimist um 1350] errichtet. Dabei handelt es sich natürlich nicht um radioaktive oder chemisch-toxische 'Ausstellungs-Objekte', sondern um an sich völlig unbedenkliches Material, das aber besser nicht in die Hände von 'Idioten' gelangen sollte. Dieses 'Material' wurde sicherheits-technisch korrekt am Geleise-Ende - also am Anfang des hinteren und chaotischen Stollen-Labyrinths - gelagert und der Zugang massiv und nachhaltig verschlossen. Einzig unschön daran: Die Auskundschaftung der 'Hinterzimmer' der Seemühle wurde als 'Kollateralschaden' verunmöglicht:


Bild: Das heute nicht mehr zugängliche Tor zu den 'Hinterzimmern' des Seemühle-Stollensystems erinnerte aus Distanz an das Löwentor von Mykene, der obere 'Tor-Querbalken' war beim Seemühletor aber nicht in einer Ebene mit den Seitenpfosten. De facto lief man zwischen zwei künstlichen Säulen (wozu wurden diese erstellt?) hindurch, hinein in eine 'irrationale Mondlandschaft'.




3. Der wohl erste Stolleneingang/Tunnel von wahrscheinlich 1892 ('Tunnel Mitte')

Sein Untertag-Ende wurde bereits auf dieser Seite gezeigt. Das Übertag-Ende - also der Ausgang ans Tageslicht, das sogenannte Mundloch - ist infolge Verschüttung im Folgenden nur indirekt dokumentierbar:


Auf der Siegfriedkarte von 1944 finden sich links der Seemühle Gebäude, deren Ruinen auch heute noch zu sehen sind:


Bild: Siegfriedkarte 1944 mit 2 nachträglich grob eingezeichneten Tunnels (Tunnel Ost und Tunnel Mitte, der Tunnel West ist auch auf der Originalkarte
Der Tunnel Mitte war aber 1944 vielleicht bereits verschüttet
Karten-Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo



Diese drei Ruinen sind mühsam erreichbar (Buschwerk). Sie stammen von einem Sprengstoff-Depot, einer kleinen Kantine und vom einstigen 'Umlad-Bahnhof', der zu diesem Stollen gehörte.

Das folgende Bild zeigt zunächst eine Uebersicht: Deutlich ist zu sehen, wie die obere und untere Westbahn sich nach links gegenseitig annähern, wo sie sich dann mit einer Weiche vereinigen. Im Weiteren sind über der oberen Westbahn etwa in Bildmitte Spuren der genannten Ruinen etwas schwer zu erkennen. Dort ist auch der verschüttete Stolleneingang zu suchen.





Die Ruinen des vorangehenden Bildes im Detail:






Suche nach dem 'verschollenen' Stolleneingang der Sohle 1

(Von Valentin Schoch)





Exkurs: Auf der Suche nach dem Stollen-Eingang der Sohle 1





Ein Teil der einstigen Geleise ist auf folgender Skizze braun punktiert:




Legende:
  1. Unterirdischer 'Personendurchgang' beim Militärspital
  2. Stollenportal/Abwurfbrücke (keine Übertag-Spuren mehr zu finden)
  3. Ausgangs-Stollenportal (verschüttet, indirekte Spuren vor Ort sichtbar)
  4. Unteres vergittertes Eingangs-Stollenportal (intakt)
  5. Ausgangs-Stollenportal im Berg drin (nach einigen Metern verschüttet)
  6. Silo
  7. Stollen-Tunnel-Übergang zum ersten Dom
  8. Eingang (teilweise verschüttet) zum obersten Abwurf-Stollen


Ein Direktanschluss des Geleises von Tunnel Mitte an die obere Westbahn war infolge verschiedener Geleise-Niveaus nicht möglich. Notwendig war damit der Umlad über eine Abwurfbrücke.


Dieser Umlade-Bahnhof ist über der Mitte hinter den Bäumen in folgendem Bild erahnbar (Foto von 1916):






4. Ein mysteriöser Tunnel

Im Folgenden dokumentiert Valentin Schoch, Sargans einen weitgehend unbekannten und nicht leicht zu findenden Tunnel:

Resultat dieser Erkundung:
  • Der Tunnel liegt im 'Kellerbereich' der ehemaligen Seemühle-Brennerei.
  • Er verläuft Ost-West, also gleich wie die Seemühle-Brennerei.
  • Der einst wohl viel längere Tunnel liegt heute noch zu wenigstens 12 Metern frei.
  • Seine Seitenwände sind mit Bruchsteinen gemauert.
  • Auf der Ostseite ist sein Portal noch intakt.
  • Er ist durch eine relativ dünne 'Materialschicht' überdeckt.
Der enge 'Seiten-'Eingang von aussen:

Der 'Seiten-'Eingang von innen:

Richtung Ost: Sauberer Tunnelabschluss (Portal) und Baumwurzeln

Richtung West: Verschüttung ohne sichtbares Portal:

Fotos: (c) Valentin Schoch, Sargans


Vermutung:

Des Tunnels Seitenmauern sind 'steingemauert', was für Stollentunnels unüblich ist und vermuten lässt, dass der Tunnel im Tagbau erstellt wurde. Das Betongewölbe erspart (im Gegensatz zu einem 'Flachdach') eine Eisenarmierung. Dann ist da die Ost-West-Ausrichtung, parallel zum äusseren Bähnchengeleise. Das verschüttete Ost-Endportal ist noch intakt. Es liegt im Kellerbereich des Übergangs von der 'Kalkabteilung' zur beim Erdrutsch von 1916 verschütteten 'Cementabteilung'. Das verschüttete undefinierte 'West-Ende' deutet auf eine Tunnel-Fortsetzung. Führte das Bähnchen durch den Kellerbereich der 'Kalk-Abteilung' via Ost-Portal in die 'Cement-Abteilung'? Bei der Sprengung von 1967 entstand oben offenbar zufällig noch ein 'Seiten-Einstiegsloch', während anderseits ein längerer Tunnel-Abschnitt Richtung West einstürzte oder durch Verschüttung von der Aussenwelt abgeschnitten wurde. Das Ostportal wurde bei der Sprengung der Seemühle 1967 verschüttet, denn 1945 (siehe folgendes Foto) war es noch intakt.



Bild: Seemühle-Ostportal im Jahr 1945.

Wer bei vorangehendem Foto genau hinschaut sieht, dass das Tunnelportal noch zu einem Stück Restmauer der 1916 beim Hangrutsch zerstörten und nicht mehr aufgebauten Cementfabrik (Seemühle-Ost) gehört. Es sind also eigentlich zwei ganz eng einander anschliessende Tunnelportale (Kalkbrennerei-Ausgang nach Cementfabrik-Eingang). Offenbar wurde die ursprüngliche Stichbahn zum Cement-Fabrik-Teil Ost nach der Zerstörung dieses Teils Richtung Ost verlängert und an die Ostbahn angeschlossen und das aussen an den Gebäuden vorbeiführende ursprüngliche Geleise obsolet und abgebaut. Folgendes Kurzvideo von 1945 legt diesen Schluss nahe:




Start Video: Mausklick ins Bild

Filmausschnitt aus: Die Seemühle, von 1945
Filmsammlung Lichtspiel / Kinemathek Bern



5. Legenden, Gerüchte

Die einstige legendäre 'Seemühle-Rundtour' auf Sohle 0
Diese Tour wurde auf dieser Webseite so ausführlich wie noch möglich beschrieben. Dazu konnten auch noch einige Zeit-Zeugen befragt werden. Die Tour wurde - als sie noch nicht verschlossen war - auch vom Autor selber begangen. Jedenfalls reicht das Stollen-System der Seemühle gesichert bis mindestens unter das Plateau der Calusa. Es könnte sich hier um eine Art Sondierstollen-System bei gleichzeitig erfolgtem teilweisem Abbau (die Dome sind viel kleiner) handeln, wobei es wohl um den in Seemühles Gebiet besonders häufig vorkommenden wertvollen 'braunen Kalk' ging.

'Ein Stollen führt bis unter das Sani (Höhenklinik) und es gibt einen 'oberen Ausgang'
Der legendäre 'obere Ausgang' existierte tatsächlich, aber natürlich nicht beim Sani. Er verband das Gebiet hinter dem 'grossen Felsfenster' (Lochezen) mit der Unterwaldstrasse. Es gab/gibt auch einen eingermassen entsprechenden 'Übertagweg', der tägliche Arbeitsweg der Bergwerksarbeiter von Walenstadtberg.

'Unter dem Sani ist ein Dom so gross, dass man eine Kirche hineinstellen könnte'
Unter dem Sani liegt ein solcher Dom eher nicht - das wäre dann doch etwas weit im Berg drin, aber es gibt solch grosse Dome. Der grösste vom Autor gesehene Kandidat existiert im oberen Bereich des Lochezen-Untertage-Abbaus mit den Massen (DISTO-Vermessung durch Peter und Valentin Schoch) 150m*50m*50m (l,b,h). Folgendes Bild zeigt im Licht des Scheinwerfers einen kleinen Teil - gewissermassen die Eingangstür - dieses Doms:





(c) Ramon M. Cantele



Auch findet man in Seemühles Stollen ein Gebiet, das als Kandidat - natürlich auch nicht unter dem Sani - in Frage kommt: Das bereits gezeigte Gebiet um den 'Navigationspunkt einsames Wägelchen'.



6. Die Seemühle und ihre geplante Bahn-Verbindung zum Bahnhof Walenstadt

Im weiter oben verlinkten pdf zum Prozess Borner gegen Schmidheiny wird in den Gerichtsakten zweimal von einer um 1914 ungenutzt abgelaufenen Konzession für den Bau einer Bahnverbindung der Seemühle zum Bahnhof Walenstadt berichtet. Diese Konzession wurde 1911 als 'Mitbenutzung Staatsstrasse für Industriegeleise' erteilt [Staatsarchiv St. Gallen]. In diesen Zeitraum fällt auch die Umspurung (1435 mm auf 50 cm) des Industriegeleises der Weberei Wallenstadt zum Bahnhof. Das Seemühlegeleise (auch 50 cm) wäre über eine neue Weiche beim Webereitor ans Weberei-Geleise angeschlossen worden (die Weberei und die Seemühle gehörten zum gleichen 'Familienimperium'). Zu dieser Zeit musste ohnehin das seit Jahren bestehende 1435 mm Weberei-Bahngeleise auf der Strasse zum Bahnhof auf Grund der Platzverhältnisse auf der zu sanierenden Bahnhofstrasse und des sich aufdrängenden Ersatzes der bei der 'Breitspur' unverzichtbaren Drehscheibe durch eine (enge) Geleise-Kurve beim Webereitor auf 50 cm Spurweite umgestellt werden.


Bild: Qualitativer Verlauf des geplanten Seemühle-Industriegeleises; Siegfried-Karte (Datensatz 1905 bis 1919).



Realisiert wurde ein Bähnchenanschluss der Seemühle letztlich aber nicht. Die wirtschaftlichen Aussichten für Bergwerke trübten sich ein (Überkapazitäten) und wohl wären auch die Kosten für dieses doch recht lange Industriegeleise unverhältnismässig hoch gewesen. Man wickelte den Transport weiterhin über die Strasse ab, zunächst wohl mit Pferdefuhrwerk, später mit Lastwagen, z. B. dem legendären 'Lotteri'.

Das folgende Bild zeigt ein noch heute bestehendes Geleise-Relikt und eine Drehscheibe (beides zweispurig, 40/50 cm Spurweite) auf dem Weberei-Areal. Dabei verwundert den genauen Beobachter natürlich der 'unsaubere' Uebergang vom Geleise zur Drehscheibe:


Bild: Das Rest-Geleise heute mit auffallend ungenauem Uebergang zur Drehscheibe.
Messung heute: Spurweiten: Drehscheibe: 39.5/49.8 cm; Geleise: 40.65/50.65 cm.




Das Weberei-Geleise führte einst zum Bahnhof Walenstadt und ist im Datensatz der Siegfriedkarte von 1905 bis 1919 enthalten. Nachher ist der Geleise-Eintrag der Karten-Generalisierung und/oder der Umspurung von 1435 mm auf 50 cm zum Opfer gefallen, denn das Geleise hat viel länger überlebt:


Bild: Siegfriedkarte mit Bähnchen Weberei - Bahnhof Walenstadt




Das Geleise verlässt mit einer Kurve - hier wäre die Weiche hingekommen - das Weberei-Areal und führt am Strassenrand zum Bahnhof:


Bild: Aufnahmejahr 1920, Walter Mittelholzer; ETH-Bildarchiv




Bild: Das Geleise biegt auf die 'Stationsstrasse' (Bahnhofstrasse) ein [aus: '100 Jahre Weberei Wallenstadt']



Das Geleise erreicht den Bahnhof und teilt sich auf, einerseits zum Güterschuppen hin, anderseits zu einem ungedeckten Umlade-Geleise:


Bild: Aufnahmejahr 1919, Walter Mittelholzer; ETH-Bildarchiv



Das folgende Bild von ca 1912 zeigt die Bahnhofstrasse noch als Naturstrasse und noch die ursprünglichen(!) Geleise zum Bahnhof, wahrscheinlich mit NOB/SBB-Spurweite 1435 mm (Grössenvergleich mit Fussgänger). 1920 bestand dann sicher bereits das neue Geleise mit 50 cm Spurweite, wie auf vorangehenden Fotos zu sehen ist, nicht zuletzt um die bei der 'Breitspur' unvermeidbare Drehscheibe am Weberei-Ausgangstor durch eine enge Geleise-Kurve ersetzen zu können:


Foto: Bahnhofstrasse Walenstadt um 1912. Dieses Geleise und die breitere Stationsstrasse wurden 1862 von der Weberei erstellt; (c) zVg.



Bild: Ein Dampflok-Züglein hat soeben die Weberei verlassen. Bei genauem
Hinsehen entdeckt man beim Webereiausgang die erwähnte Drehscheibe.
Der Zug wurde offenbar erst 'auf der Strasse' zusammengesetzt.




Der noch gemächliche Bahnhofplatz 1933 mit den Weberei-Geleisen:





7. Ein kleiner Blick in die geologische Zukunft

Alles Irdische ist vergänglich und der Zahn der Zeit nagt überall, leider auch in diesen beiden Bergwerken:

Der Grosse Platz und seine Umgebung: Diese gigantische Bergmulde entstand allein durch Gesteinsabbau. Damit ist die Statik des den Platz umrahmenden Felsmassives natürlich 'destabilisiert'. Der Bergdruck macht sich bemerkbar, was auch durch zahlreiche Risse und entsprechende Messgeräte signalisiert wird. Folgende Bilder zeigen Mess-Einrichtungen:

Mit Telejointmetern werden 2 Felskörper verbunden. Bei differenziellen Bewegungen der beiden Körper wird das Messgerät bewegt, der in der Nähe installierte Datenlogger übermittelt die Bewegungsdaten via Funk ans Geopraevent Datenportal. Zuständige Experten haben Zugang auf diese Daten und können so den Bewegungsverlauf jederzeit präzis verfolgen.


Bilder: Telejointmeter (wie 'Federwaage') über Felsspalt. Orange Kabel zum Datenlogger und Funksender (Antenne = weisser Stab) (Lochezen Grosser Platz).




Bild: Messprotokoll mit Kurven einer Sechser-Gruppe Telejointmeter (nicht von der Lochezen).





Bild: Oben ein Telejointmeter. Rechts VHF-Antenne für Funkverbindung zwischen Datenlogger und Datenportal.



Weitere Beispiele deutlicher Risse über dem Grossen Platz der Lochezen:








Damit stellt sich natürlich die Frage, ob das 'Tabu'-Bergwerk Seemühle für 'Stollengänger' wirklich gefährlicher ist, als das BW Lochezen, was 'offizielle Meinung' ist. Die Wahrheit ist wohl gegenteilig. Mindestens als Laie kann man vermuten, dass beim BW Seemühle der Bergdruck nicht derart 'asymmetrisch' ist, da es sich bei der Seemühle um ein reines Untertag-Bergwerk handelt. Dagegen hat der Ausbruch des Grossen Platzes beim BW Lochezen die Statik des Berges wohl ungünstig beeinflusst. 'Resultate' von Steinschlägen liegen im BW Lochezen gar nicht etwa weniger herum, als in Seemühles Stollen . . .




8. Eine skurrile Geschichte

Folgende Geschichte - zunächst unglaublich, aber bestätigt von zwei unabhängigen Quellen - soll der Vollständigkeit halber möglichst kurz und 'vorsichtig' erwähnt werden:

Zur Zeit des Zweiten Weltkrieges kamen die Seemühle-Oefen ins Planungs-Visier einer Personengruppe unbekannter Grösse, Leute mit 'nicht genehmen' Ansichten spurlos 'verschwinden' zu lassen. Bis mindestens in die 1950er-Jahre überdauerte eine Liste 'potenzieller Opfer'.




9. Subjektive Gedanken zum TABU-Bergwerk Seemühle

Warum wird eigentlich das BW Seemühle im geschichtlichen Rückblick im Vergleich zum BW Lochezen offiziell restriktiv behandelt, ja gar 'tot geschwiegen' und dazu 'grössere Gefährlichkeit' in Seemühles Stollen vorgeschoben? Beide Bergwerke sind bezüglich Steinschlag und (Teil-)Einsturz risikobehaftet. Beide haben kritische und weniger kritische Zonen. Am unwohlsten ist es dem Autor jedenfalls im Bergesinnern der obersten Geleise-Ebene der Lochezen bei den Werkstätten und den benachbarten Felsfenstern. Dort befinden sich auch bereits erwähnte Messeinrichtungen für Risse und Felsbewegungen als Vorwarnsystem für die Mitarbeiter der Versuchsanlage für Steinschlagnetze. Auch das historische Militärspital - vor allem der Tagesfenster-Bereich - musste bereits einige grössere Steinschläge hinnehmen (zuletzt: Januar 2021) und der 'Führungsweg' liegt in der dritten Version vor. Mindestens bei einem Pfeiler sind beachtliche Spuren einer 'Schlankheitskur' unübersehbar.

Anderseits ist die Wahrscheinlichkeit, zu einem 'Ereigniszeitpunkt' gerade an diesem 'Ereignisort' zu stehen, natürlich gering.

Der Autor vermutet folgende Gründe für die Tabuisierung der Seemühle:

  • Das Ende der Seemühle scheint nicht restlos sauber gelaufen zu sein, auch bei der Obrigkeit.
  • Seemühles offenbar erwünschter Dornröschenschlaf wurde nur einmal obrigkeitlich gestört (Kappung der Rundtour infolge 'Umnutzung').
  • Die Lochezen war industriell deutlich länger in Betrieb (1863 bis 2001), die Seemühle von 1892 bis 1963.
  • Allzu freizügig zur Schau gestellter 'Wohlstand' mindestens einer Besitzer-Familie bei gleichzeitig vernachlässigtem Unterhalt/Erneuerung der Bergwerks-Infrastruktur.
  • Ein mögliches psychologisches Motiv: Das an sich geheimnisvollere grosse Seemühle-Labyrinth hat (heute) - ganz im Gegensatz zu demjenigen der Lochezen - nur zwei relativ enge Verbindungen zur Aussenwelt. Man ist praktisch von der Aussenwelt abgeschnitten und immer in völliger Dunkelheit. Der 'Tunnel Ost' führt wie ein (physikalisches) 'Wurmloch' in eine völlig andere Welt. Das ist im 'offiziellen' Teil der Lochezen nicht so. Im 'inoffiziellen' alten Untertag-Ausbruch der Lochezen ist die Situation dann allerdings wieder eine andere ...






Quellen:

Literatur:
-- Mangold Fritz; Die Zement-, Kalk- und Gips-Industrie in der Schweiz; 1931
-- Bösch, Schmid, Fehr; Drei Schmidheiny; Verein für wirtschaftshistorische Studien; 1979
-- Staatsarchiv des Kantons St. Gallen
-- Schweizerisches Handels-Amts-Blatt S.H.A.B. (Archiv)
-- Schweizerische Bauzeitung (Archiv)
-- Schweizerische Handwerker-Zeitung (Archiv)
-- Archiv Ortsgemeinde Walenstadt
-- Gubser Paul; Walenstadter Chronik; 2007

Zeitzeugen und Stadtner-Stollen-Experten:
-- Reto Giovanoli (Pseudonym), Mineur(-Lehrling) in den beiden letzten Betriebsjahren des BW Seemühle
-- Thomas Arpagaus, Werksleiter
-- Peter und Valentin Schoch
-- Ursula Zanetti-Borner, Tochter von Max und Nelly Borner, Enkelin von Adolf Borner und Adrienne Borner-Huber
-- Ehem. Schüler, aus der 'Boomzeit' freizeitlicher Stollen-Besuche
-- Unzählige eigene Stollen-Besuche
-- Inkognito-Hinweise

Landkarten:
-- swisstopo: Dufour-, Siegfried-, Landes-Karten ab 1856

Bilderdienste:
-- Schweizerisches Bundesarchiv: Bilder
-- swisstopo: Luftbilder
-- ETH Bildarchiv
-- Swissair Photo AG
-- Schweizerfamilie (Zeitschrift), Archiv