Seemühle Walenstadt, Borner AG

Am Ende des Eingangs-Tunnels gelangen wir in den schon vorher gezeigten ersten Dom, diesmal ohne Stalagmiten. Unsere Augen gewöhnen sich langsam ans Dunkel. Der mitunter starke Luftzug des Tunnels ist plötzlich weg. Eine gespenstische Topografie und unheimliche Stille 'erschreckt' die an Grundlärmpegel gewohnten Menschen.

Das Bahngeleise verzweigt sich, aber die Weiche wurde herausgenommen und in Lauf-Richtung 'rechts' zu einem der letzten Abbaugebiete in den 1950/60er-Jahren hin überbrückt.


Ein Blick zurück zum Eingangs-Tunnel (nur mit Taschenlampe natürlich nicht so zu sehen):






FAQs ('Seemühle-Fragen') von 'Neulingen' in diesem ersten Dom beklemmender Stille:


Stollentemperatur?

Ein Thermometer stabilisiert
sich tiefer im Berg drin um 8C. Diese Temperatur ist ganzjährig praktisch gleich.

Luftfeuchtigkeit?



Ein Hygrometer zeigt im Sommer erwartungsgemäss gegen 100%.

Foto-Flecken auf Stollenfotos?

Tröpfchen-Erscheinungen oder Nebel auf Fotos beim bekannten Geisterfleck-Phänomen kommen von hoher Luftfeuchtigkeit mit feinsten Wassertröpfchen direkt vor der Camera, entsprechend stark belichtet vom Camera-Blitz und zusätzlich dafür falscher Distanzeinstellung.

Ammoniten?

Vereinzelt sind im gesamten Bergwerksgebiet Ammoniten zu finden. Folgende beiden stammen aus dem Bergbau Seemühle/Lochezen:






Und weiter ins Labyrinth:


Die herausgenommene und bereits erwähnte Weiche, überbrückt für den östlichen Schienenstrang nur im Schein einer Taschenlampe:






Die Weiche selbst liegt in desolatem Zustand neben dem Geleise (Handy-Camera-Bild mit 'Ewige-Nacht-Atmosphäre'):









Kleiner Exkurs

Wir machen ab dieser Geleise-Verzweigung einen kurzen Abstecher (kommen aber wieder hier her zurück!) und gehen zunächst nach rechts dem Geleise entlang zu einer 'Felsenge':




In der Passage der Felsenge treffen wir auf eine weitere Weiche:




Nach links ist das Geleise für eine gewisse Strecke unterbrochen und führt unter eine Steinhalde, unter der es noch etwas hervorschaut. Wir merken uns das Stichwort 'Steinhalde' für später. Nach rechts führt das Geleise in einen Tunnel. Vor diesem Tunnel geht eine Abzweigung der Druckluftleitung nach oben in den '1. Stock' (für den Betrieb der Pressluftbohrer):





Rechts des Geleises im Tunnel drin ist wieder eine Druckluftleitung in noch gutem Zustand zu erkennen:





Bald erreichen wir das Ende dieses 'Talbahn'-Astes. Die Abschlusswand zeigt sich felsig, womit man annehmen muss, dass hier ein Vortrieb eingestellt wurde.


Weit ging es aber noch bis in die 1980-er Jahre über die vorher gezeigte 'Steinhalde' (Stichwort!) in den Berg hinein. Man konnte nach einem eindrücklichen und grossen Rundgang auf die andere Seite der Sohle 0 wechseln und kam im ersten Dom - aber von der anderen Seite her - wieder heraus. Dies war seinerzeit für 'Stollenspezialisten' unter Walenstadter Oberstufenschülern kein Geheimnis. Diese heute nicht mehr mögliche Tour (warum: siehe später unter 'Geschichte') wurde aber aus 'navigatorischen Gründen' meist in der Gegenrichtung begangen.




Wir kehren aus dieser heutigen Sackgasse um, da unser geplante Weg anderswohin führt und gehen zum ersten Dom zurück.

Ende Exkurs





Weiter gehen wir jetzt also im ersten Dom dem linken Geleise entlang.


Schnell entdecken wir rechts unter uns ein grosses Abbaubecken. Wir konzentrieren uns aber auf einen unauffälligen Seitenstollen der gelegentlich auf der linken Seite auftaucht.




Ein kleiner Teil des erwähnten grossen Abbaubeckens:






Wir gehen dem Geleise entlang zum besagten Seitenstollen gemäss folgender beider Bilder (rechts unter uns das Abbaubecken).:





Nach der Säule, hinter der das Geleise verschwindet, kommt die Abzweigung zu 'unserem' Seitenstollen nach links:





Dieser unscheinbare Seitenstollen (hier wieder hell beleuchtet!) kommt rund 60 Meter ab der Weichenüberbrückung (etwa 100 nach links schauen):





Wir trennen uns aber erst nach Rückkehr vom folgenden Exkurs vom Bahngeleise in diesen Stollen. Wenn man seinerzeit bei dieser Abzweigung geradeaus ging - wie wir das zunächst jetzt auch tun - kam man nach einem weiten und eindrücklichen Rundgang wieder bei der erwähnten 'Steinhalde' (Stichwort von vorher) herunter (die selbe Rundtour, wie bereits erwähnt, nur in umgekehrter Richtung). Heute geht das nicht mehr, da hinten 'etwas nicht mehr stimmt' ('mysteriöse' Sperre, siehe später unter 'Geschichte').



Zunächst jetzt also unser Exkurs

Wir folgen einfach weiter dem Geleise, tief in den Berg hinein:


Links des Geleises ist wieder eine Druckluftleitung zu sehen.





Spuren von Steinschlägen signalisieren gewisse Risiken (Erderschütterungen/Felsbewegungen).
Wir halten jetzt Ausschau nach einem Navigationspunkt, einem signifikanten 'Wegpunkt':





'Navigations-Punkt' erreicht: Ein einsames Wägelchen, das seit Jahrzehnten dort rastet und dessen Kippmulde im ersten Dom liegt, allerdings 'bewegt' sich dieses Wägelchen bisweilen und kann manchmal auch tiefer im Berg drin stehen. Wer dieses Wägelchen genau betrachtet merkt, dass es von 60 cm auf 50 cm umgespurt wurde. Es muss also bereits in einem anderen Bergwerk (bei der Konkurrenz Lochezen?) gelaufen und dort infolge Ersatzes durch Seitenklappen-Wagen obsolet geworden sein:






Dieses Wägelchen und die zwei Personen rechts unten auf folgendem Bild lassen die Grösse dieses Stollens erahnen:






Bild: Die Umspurung des Wägelchens ist klar zu erkennen.




Bild: Ein letzter Blick zurück zum Wägelchen, das hier etwa 20 Meter nordwärts verschoben steht.


Im weiteren Verlauf tauchen immer wieder neue Formationen vor uns auf:




Unausweichlich stellen sich Fragen: Wie wurde der Talboden mit dem Geleise drauf so fein und auch waagrecht gestaltet
und warum sind bei den gut erhaltenen Gleisprofilen kaum Gleisschwellen zu finden?




Der Anblick des Pfeilers auf folgendem Bild erinnert uns an die Vergänglichkeit alles Irdischen:




Auf unserer Reise in die Vergangenheit passieren wir jetzt einen kleinen Tunnel im grossen Stollen:




An dieser Stelle ist das Geleise unterbrochen, erscheint aber wieder, falls man schräg links weiter geht. Man präge sich die 'Geografie' bei gleisfreien Abschnitten durch Rückblicke ein, um 'Panik-Attacken' auf dem Rückweg zu vermeiden, denn ohne Geleise wird es in diesem Labyrinth schnell ungemütlich:




Schliesslich erreichen wir ein geheimnisumwittertes Gebiet...

. . . das bei einer fehlenden Weiche vor einem Doppel-Tunnel beginnt. Beide Tunnels - wir nennen sie Zwilling-Tunnels als eine Art 'Stützpunkt' für die Kommunikation - haben hinter der mächtigen Säule nochmals Kontakt und enden dann in jeweils einem eigenen kurzen Stollen. Von 3 Vortrieben A, B und C hinter diesen Tunnels wurden A und B nach kurzer Zeit aufgegeben, dann aber bei C ein nachhaltiger Vortrieb tief in den Berg hinein geschlagen bzw. 'ausgeschossen'. Der Stolleneingang zu diesem Vortrieb C kam jetzt allerdings zwischen die aufgegebenen Vortriebe A und B, somit hinter die Trennsäule der Zwillingtunnels zu liegen, was den Einsatz von 'Auflegedrehscheiben' für die 'scharfen' Kurven notwendig machte. Dies alles wird im Folgenden gezeigt:




Wir folgen zunächst dem Geleise nach rechts und erreichen folgendes Gebiet:


Bild: Da hinten war offensichtlich schon einiges los, auch nach Betriebseinstellung.


Kleine Anekdote:

Wohl an diesem Ort (vorangehendes Foto) führte die ETH Zürich in den 1980er-Jahren seismische Messungen durch. Ein Zeitzeuge erinnert sich:
Damals gab es noch kein Gitter, der Stollen war einfach offen, und so hatten wir als Schüler diesen Eingang entdeckt. Wir fanden einige Gerätschaften der ETH und dachten, es sei Diebesgut, und riefen damals sogar die Polizei aus Walenstadt. Zusammen mit dem Polizisten gingen wir erneut in den Stollen. So löste sich das Rätsel um das vermeintliche Diebesgut.

Bei diesem ETH-Projekt wurden auch seismische Messungen übertag - auf dem Fahrweg Lüsis-Tschingla - gemacht. Der Vf. begegnete damals dieser mit einem Land Rover hochgefahrenen Arbeitsgruppe und staunte sehr, dass er schon weit ausserhalb des Sichtbereiches an seinem 'Getrampel' von den hochempfindlichen Messgeräten 'registriert' wurde. Die Gegenstation für die Experimental-Sprengungen (eine Art geologische Echolotung) lag irgendwo in den Glarner- oder Bündner-Alpen.




Wir folgen den Geleiseresten und kommen an ein Stollen-Ende [Eingestellter Vortrieb A]:


Bild: Der eingestellte Vortrieb A.




Folgt man dem Geleise am Eingang zu den Zwilling-Tunnels nach links, kommt man an ein zweites Stollen-Ende, einen kleinen und kurzen (Blind-)Tunnel [eingestellter Vortrieb B]. Für die Rundtour ging man zunächst diesem linken Geleise (Ast nach Westen) entlang, was 'Neulinge' immer wieder erstaunte, da man ihnen eine Rundtour mit Ost-Umgehung des Abbaubeckens der Sohle 0 in Aussicht gestellt hatte. Man trifft einige Meter vor dem kurzen Blindtunnel auf eine sonderbare rechtwinklige Geleise-Abzweigung (erwähnte Auflegedrehscheibe), bei der man zur Rundtour nach rechts abzweigen musste, was wir jetzt auch tun:


Bild: Der eingestellte Vortrieb B.




Hier ist die Auflegedrehscheibe noch vorhanden:


Bild: Auflegedrehscheibe (Lorendrehscheibe, Feldbahnsprache: 'Frosch').




Kurzvideo (mp4): Funktionsweise einer solchen Auflegedrehscheibe




Vom Stollen-Eingangsportal 'Tunnel Ost' bis zu dieser rechtwinkligen Abzweigung liegen gut 500 Meter Geleise-Weg und wir sind jetzt beim Geheimnis der Seemühle angelangt:



Das Geheimnis der Seemühle

Der 'verschwundene' Vortrieb C



Dieses Stollenende gibt im Zusammenhang mit der einst möglichen Rundtour Rätsel auf: Da 'endet' das Geleise plötzlich an einer Steinhalde, welche 'früher nicht da' war. Bis in die 1980er-Jahre war es möglich, von hier durch eine heute verschüttete Verengung in Richtung links (nordwärts) auf die Rundtour zu gelangen [nicht eingestellter Vortrieb C], mindestens bis unter das Plateau der Calusa. Diese Steinhalde auf folgendem Bild markiert den verschütteten recht engen Eingang des gesprengten und verstopften Durchganges zu den 'Hinterzimmern' der Seemühle via Vortrieb C. Dieses 'Verschliessen' geschah lange nach Einstellung des Seemühle-Betriebes im Zusammenhang mit einer 'Umnutzung'. Bog man - vor dieser Verschliessungsaktion - viel weiter im Berg drin dann an der richtigen Stelle nach rechts (diesmal wirklich ostwärts) in einen Seitenstollen, kam man nach abenteuerlicher Begehung oft engerer Stollen bei der eingangs erwähnten 'Steinhalde' (Stichwort von früher) hervor/herunter. Man konnte bei der Ost-Abzweigung statt rechts aber auch geradeaus weitergehen, was der Autor leider verpasst hat. Der Grund der Kappung des Vortriebes C wird später unter Geschichte/ Geheimnisse thematisiert.


Bild: Das vorher gezeigte Quergeleise endet bei der Steinhalde, die den links liegenden gesprengten Eingang zum Vortrieb C 'markiert'.



Link: Mysterium Rundtour und Vortrieb C



Wir kehren jetzt um und gehen zurück zur 100-Abzweigung

Wieder zurück bei der 100-Abzweigung . . .

. . . betreten wir den im bereits bekannten Bild gezeigten etwa 12 m langen völlig unscheinbaren Seitenstollen. Gut ausgeleuchtet sieht dieser folgendermassen aus:




Nach kurzem Augenschein stellt man fest: Das Hinaufkommen ist machbar - wenn auch mit schmutzigen Händen - und schnell wird dann oben mit Blick nach rechts hinten eine weiter führende Betontreppe sichtbar. Ein kurzer Zwischenhalt auf diesem Zwischenpodest beim Silo lohnt sich aber:




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