Der Stern von Bethlehem aus astronomischer Sicht

(falls eine astronomische Erklärung möglich ist).





Geschichtliche Rahmenbedingungen

In der Bibel ist von geschichtlich bekannten Personen die Rede: dem König Herodes, dem römischen Kaiser Augustus, Quirinus, dem Statthalter... Von ihnen wissen Historiker durch andere Quellen, wann sie gelebt haben und wann sie gestorben sind. Das engt die Zeit der Geburt Jesu auf ein schmales Fenster ein - die Ereignie drehen sich um ein Zeitfenster von nur knapp vier Jahren: zwischen etwa 7 vor Chr. bis 4 vor Chr.

Es gibt zum "Bethlehemstern" einige astronomischen Theorien:

Die zwei wohl berühmtesten werden hier betrachtet:



1. Es war ein Komet


Unter dem Eindruck der Wiederkehr des Halley'schen Kometen 1301 malte der florentinische Künstler Giotto di Bondone um 1305 die Anbetung Jesu durch die drei Weisen aus dem Morgenland, wobei er den Stern von Bethlehem deutlich als Kometen gestaltete (siehe Bild links). Giottos Darstellung förderte die falsche Auffaung, es sei der Halley'sche Komet gewesen, dem die Weisen dem biblischen Bericht nach gefolgt sind (das Bild ist in der Arena-Kapelle von Padua). Heute kann man zurückrechnen, dass kein Komet zum entsprechenden damaligen Zeitpunkt sichtbar war und es gibt auch keine entsprechenden historischen Aufzeichnungen. Diese Theorie ist also nur noch von historischem Interesse, dies aber, weil sie das Entstehen des "Weihnachtssterns" in der noch heute aktuellen Form eines Schweifsternes zeigt.





Bild links: Der Komet Hyakutake im März 1996.




2. Es war eine besondere Planeten-Konstellation


Bild: Die Keplersche Konjunktion von Jupiter und Satur auf einer seltenen Weihnachtskarte

Der Erste, der diese Theorie vertrat - im Jahre 1606 - war der grosse deutsche Astronom Johannes Kepler: Der Stern von Bethlehem war eine äuerst seltene (zeitlich kurz aufeinanderfolgende) dreifache Begegnung der hellen Planeten Jupiter und Saturn.

Johannes Kepler war der erste, der Planetenbewegungen exakt berechnen konnte und dies auch über lange Zeiträume. Er war Astronom, Mathematiker und Theologe. Am Weihnachtsmorgen 1603 beobachtete er von seinem Fenster in Prag aus eine ganz besondere Planetenkonstellation: Jupiter und Saturn in einer Konjunktion. Dadurch kam Kepler auf die Idee, dass der berühmte Stern von Bethlehem möglicherweise gar kein Stern war, sondern etwas mit Planeten zu tun hatte. Kepler errechnete, dass sich vor der Geburt Christi eine spektakuläre dreifache Planetenkonjunktion abgespielt haben musste und zwar zwischen Jupiter und Saturn.

Solche dreifach Konjunktionen (für das Auge nahe Begegnungen) sind sehr selten, die letzte entsprechende Dreierbegegung fand 1980/81 statt, die nächste wird erst 2238 am Himmel zu sehen sein.

Der "Stern" von Bethlehem war aber auch ein "Stern" von Babylon.

Bild: So sahen die Babylonier den Sternenhimmel im November 7 vor Christus
Wichtig: Dieser 'Stern' hatte für Babylon (die Weisen aus dem Morgenland) und für die Bibel eine Bedeutung, wie weiter unten noch genauer beschrieben wird!

Gestützt wird diese Theorie von Kepler durch eine sensationelle archäologische Entdeckung: Auf drei in Babylon ausgegrabenen Tontafeln (heute im Britischen Museum in London mit den Nummern BM 34659, 34614 und 35429 zu sehen) entdeckten Forscher eine in Keilschrift festgehaltene Beschreibung babylonischer Astronomen für genau diese Dreifach-Konjunktion. Sie berichten von unserem 'Stern' - einer auergewöhnlichen Himmelsbegegnung. Was wir heute im Nachhinein berechnen können, steht dort in Keilschrift fein säuberlich aufgelistet: Im Jahr 7 vor Christus fanden drei Begegnungen von Jupiter und Saturn (Dreier-Konjunktion) statt, und zwar jeweils im Sternbild 'Fische'. Für Sterndeuter war dies ein klares Zeichen. ("7 vor Christus" beruht auf einem "Kalenderfehler").

Zu der fraglichen Zeit vor Christi Geburt passierte das schier Undenkbare: Die beiden Planeten trafen sich innerhalb weniger Monate gleich drei Mal. Nun galt Jupiter zu der Zeit, als die drei Weisen aus dem Morgenland auf ihn aufmerksam wurden, als der "Königsplanet". Der schwächer leuchtende Saturn hingegen wurde damals als "Planet der Juden" betrachtet - als Sinnbild des jüdischen Volkes.

Wenn sich der Königsplanet drei Mal mit dem Planet des jüdischen Volkes trifft, dazu noch im Sternbild Fisch (symbolisierte damals das Land Judäa), dann konnte das für die drei Weisen aus dem Morgenland nur eines bedeuten: Ein neuer König der Juden musste geboren werden.

Alten Karten zufolge hatten die Sternkundigen auf der damaligen Route von Jerusalem nach Bethlehem die aussergewöhnliche Planetenkonstellation immer vor sich am Himmel. Es war also vermutlich das Leuchten der "Planeten von Bethlehem", das ihnen den Weg gewiesen hat und die Planetenkonjunktion stand von Jerusalem aus gesehen im Süden, also über Bethlehem.

Diese Theorie hat als einzigen "Schwachpunkt" die Tatsache, dass Jupiter und Saturn nie zu einem einzigen Lichtpunkt verschmolzen, auch wenn sie einander sehr nahe kamen, wogegen bei Matthäus von einem "Stern" berichtet wird [astron]. Wenn man aber Theodor Zahn folgt, wonach das Wort für Stern in Mt 2 [aster] damals oft nicht von dem Wort für Gestirn(e) [astron] unterschieden wurde (Anm.: vielleicht auch bei "Nichtastronomen" wie Matthäus), spielt dies keine Rolle. Oft wird ja heute z. B. zwischen "Planet" und "Stern" bei "Nichtastronomen" auch nicht unterschieden. Diese Theorie wird heute weltweit von den Planetarien favorisiert, da sie von den naturwissenschaftlichen Erklärungen am plausibelsten erscheint.



Diese aussergewöhnliche 3-fach-Konstellation am Firmament, die Begegnung der Planeten Jupiter und Saturn, fällt tatsächlich in den (historisch möglichen) engen Zeitrahmen im Jahre 7 v. Chr.und wurde von babylonischen Astronomen beobachtet, das zeigen die Keilschrifttafeln in London, und - was noch schwerer wiegt - dieses Spektakel hatte für Babylon die oben genau beschriebene besondere Bedeutung, die gerade auch noch mit der Weihnachtsgeschichte der Bibel übereinstimmt.



Kurz-Video: Animation von Jupiter und Saturn 7 v. Chr.


Nach dem Anklicken etwa 15 Sekunden (!) warten, bis der 'Film' startet. Dieser Bewegungs-Ablauf kann an jedem PC mit einem einfachen Astronomie-Programm nachvollzogen werden!



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