Seemühle Walenstadt, Borner AG

Am Ende des Eingangs-Stollens gelangen wir in den schon vorher gezeigten ersten Dom. Unsere Augen gewöhnen sich langsam ans Dunkel. Der mitunter starke Luftzug des Tunnels ist plötzlich weg. Eine totale Stille 'erschreckt' die an Grundlärmpegel gewohnten Menschen.

Das Bahngeleise verzweigt sich, aber die Weiche wurde herausgenommen und in Lauf-Richtung 'rechts' zu einem der letzten Abbaugebiete in den 1950/60er-Jahren hin überbrückt.


Ein Blick aus dem Dom zurück zum Eingangs-Tunnel (nur mit Taschenlampe natürlich nicht so zu sehen):






Kurzer Zwischenhalt: 'Stollen-Physik' unserer Tour:




Ein Labor-Thermometer stabilisiert sich tiefer im Berg drin bei etwa 8C [ der GeoCache Walensee 8 lässt grüssen ;-) ].

Diese Temperatur ist im Sommer und im Winter erfahrungsgemäss praktisch gleich.


Ein Hygrometer steigt v. a. im Sommer erwartungsgemäss gegen 100% (relative Luftfeuchtigkeit).




Das 'Geisterfleck'-Phänomen

Mitunter zeigen sich auf Stollen/Höhlen-Fotos 'milchig-transparente Tröpfchen' oder auch Nebelerscheinungen. Grund ist hohe Luftfeuchtigkeit mit feinsten Wassertröpfchen direkt vor der Camera, extrem stark belichtet vom Camera-Blitz. Infolge dafür falscher Distanzeinstellung werden die Tröpfchen (zusätzlich) zu gross abgebildet. Dieses Phänomen kann durch geeignete Beleuchtungs-Vorkehrungen vermieden werden. (Von der Camera abgesetzte Lichtquellen schaffen Abhilfe und ergeben durch Schattenwurf als 'Beigabe' noch ein plastischeres Bild.)

In der Fotografie ist dieses Tröpfchen-Phänomen unter dem Begriff 'Geisterfleck' bekannt.


Bild links:
Demo-Aufnahme im Seemühle-Stollensystem mit internem Camera-Blitz bei gegen 100% Luftfeuchtigkeit und ca. 8C Untertag-Lufttemperatur im Sommer.




Orientierung in den Stollen

  1. GPS-Navigatoren funktionieren in Höhlen/Stollen naturgemäss nicht. Richtungs-Bestimmungen ermöglicht aber der Kompass.

  2. Distanzen: Die Meterangaben in dieser Foto-Dok beruhen auf Schrittzählungen zu 60 cm, getestet mit mehreren Personen unter Stollenbedingungen. Das ersetzt keinen DISTO, hat aber für Amateure ein günstiges Fehlerquote/Aufwand-Verhältnis.

  3. Höhen (über Meer) können in Höhlen mit einem barometrischen Höhenmesser ermittelt werden. Da dieses Stollensystem unten und oben offen ist, kann mit guter Genauigkeit gerechnet werden, sofern man 'physikalisch richtige' Messorte wählt [Bernoulli-Gesetze]. Ein Kriterium ist natürlich auch das Auflöse-Vermögen des Messgerätes. Einsatz z.B.: Verschüttete Tunnelausgänge über- und untertag koordinieren.




Und weiter geht es ins Labyrinth:


Die herausgenommene und bereits erwähnte Weiche, überbrückt für den östlichen Schienenstrang nur im Schein einer Taschenlampe:






Die Weiche selbst liegt in desolatem Zustand neben dem Geleise. Auch Distanzeinstellungen an der Camera verlangen im Dunkeln besondere Aufmerksamkeit, was bei folgendem Bild vergessen wurde. Sinnvollerweise schaltet man die hier überforderte Automatik aus und arbeitet mit manuellen Einstellungen:





Gut ausgeleuchtet sieht die Abzweigung in diesem ersten Dom so aus (vorherige Weiche links im Bild):







Exkurs

Wir machen einen kurzen Abstecher (kommen aber wieder zur obigen Verzweigung zurück!) und gehen zunächst nach rechts dem Geleise entlang durch eine 'Felsenge'. Anfangs hängt die Decke tief, dann aber nach einer leichten Linkskurve ungemütlich hoch:




In der Passage der Felsenge treffen wir auf eine weitere Weiche:




Nach links ist das Geleise für eine gewisse Strecke unterbrochen und führt unter eine Steinhalde, unter der es noch etwas hervorschaut. Wir merken uns das Stichwort 'Steinhalde' für später. Nach rechts führt das Geleise in einen Tunnel. Vor diesem Tunnel geht eine Abzweigung der Druckluftleitung nach oben in den '1. Stock' (für den Betrieb der Pressluftbohrer):





Rechts des Geleises im Tunnel drin ist wieder eine Druckluftleitung in noch gutem Zustand zu erkennen:





Bald erreichen wir das Ende dieses 'Talbahn'-Astes:



Die Abschlusswand zeigt sich felsig, womit man annehmen muss, dass hier ein Vortrieb eingestellt wurde.

Weit ging es aber noch in den 1970er Jahren über die vorher gezeigte 'Steinhalde' (Stichwort) in den Berg hinein. Man konnte nach einem grösseren Rundgang auf die andere Seite der Sohle 0 wechseln und kam mit etwas Glück im ersten Dom von der anderen Seite her wieder heraus. Dies war seinerzeit (ab Betriebsende bis mindestens 1980) kein Geheimnis, sondern gehörte sogar zur 'Allgemeinbildung' Walenstadter Oberstufenschüler. Die heute nicht mehr mögliche Tour (warum: siehe später unter 'Geschichte') wurde aber in der Regel in der Gegenrichtung begangen.




Wir kehren um, da unser geplante Weg anderswohin führt und gehen zum ersten Dom zurück.

Ende Exkurs





Weiter geht es jetzt dem linken Geleise entlang:

Noch kurz eine Lampenkontrolle (auch historische Karbid-Lampen sind hier dabei) und ein Eindruck, wie dunkel es im Stollen ist:





Nach einer deutlichen Linkskurve entdecken wir rechts unter uns ein grosses Abbaubecken. Wir konzentrieren uns aber auf einen Seitenstollen nach links. Derweil ist mit einfachem Taschen-Camera-Blitz - anlässlich eines Sonntags-Spaziergangs - nur 'Nebel' und nichts vom Abbaubecken auf das Bild zu bekommen. Entgegen dem Bildeindruck ist der Nebel nicht etwa im Hintergrund, sondern direkt vor der Camera (eben: 'Geisterfleck', wie weiter oben begründet):





Mit grösserem fototechnischem Aufwand sieht ein Bild des Abbaubeckens dann so aus:






Wir gehen dem Geleise entlang weiter gemäss folgender beider Bilder (rechts unter uns das Abbaubecken).:





Nach der Säule, hinter der das Geleise (nach links) verschwindet, kommt unsere Abzweigung zum Seitenstollen nach links:





Dieser Seitenstollen kommt etwa 60 Meter ab der Weichenüberbrückung. Wir trennen uns ungefähr um 100 nach links vom Bahngeleise, das noch viel tiefer in den Berg führt. Wenn man seinerzeit diese Abzweigung verpasst hatte, wäre man - im günstigsten Fall - nach einem weiten und eindrücklichen Rundgang wieder bei der erwähnten 'Steinhalde' (Stichwort von vorher) herunter gekommen (die selbe Rund-Tour, wie bereits erwähnt, nur in umgekehrter Richtung). Heute geht das nicht mehr, da hinten 'etwas nicht mehr stimmt' ('mysteriöse' künstliche Sperre und wohl auch natürliche Hindernisse durch Rutschungen bei der 'Steinhalde', siehe später unter 'Geschichte').




Exkurs

Wir verpassen zunächst absichtlich die 100-Abzweigung, kommen aber später wieder zu dieser zurück - und machen einen Abstecher nordwärts, einfach weiter dem Geleise entlang, tief in den Berg hinein. Wir nehmen also den Weg der eben erwähnten früheren 'Rundtour':


Links des Geleises ist wieder eine Druckluftleitung zu sehen.





Spuren von Steinschlägen signalisieren gewisse Risiken: Ungünstige Aufenhaltsorte sind demnach generell am Fuss einer Säule. Nicht wenige solche Wandabbrüche sind zu sehen. Problematische Aufenhaltszeiten im Stollensystem sind naturgemäss während Erderschütterungen - z.B. auch bei schwachen Erdbeben (von starken reden wir lieber nicht). Unser Etappenziel ist ein signifikanter 'Wegpunkt':





'Navigations-Wegpunkt' erreicht: Ein einsames Wägelchen, das seit Jahrzehnten dort rastet und dessen Kippmulde im ersten Dom liegt:






Bei obigem Wägelchen biegt das Geleise 'gegen das Gefühl' nach links ab. Wer statt dessen geradeaus geht, landet letztlich aber in einer Sackgasse. Etwas später führt das Geleise aber wieder in der ursprünglichen Richtung weiter. Zwischen den beiden Stollen-Befahrerinnen ist wieder obiges Wägelchen zu sehen:





Im weiteren Verlauf tauchen immer wieder neue Formationen vor uns auf:




Unausweichlich stellen sich Fragen:
1. Wie wurde der Talboden mit dem Geleise drauf so fein und auch waagrecht gestaltet? Die Gesteinsschichtung ist ja schräg.
2. Auch bei gut erhaltenen Gleisprofilen findet man ganz selten Gleisschwellen. Hat sich das Bodenniveau durch 'Sedimente' erhöht?




Der Anblick des Pfeilers auf folgendem Bild erinnert uns an den 'Zahn der Zeit':




Auf unserer Reise in die Vergangenheit passieren wir bald darauf einen kleinen Tunnel im grossen Stollen:




An dieser Stelle ist das Geleise unterbrochen, erscheint aber wieder, falls man schräg links weiter geht. Man präge sich die 'Geografie' durch gelegentliche Rückblicke ein, um 'Panik-Attacken' auf dem Rückweg zu vermeiden, denn ohne Geleise wird es ungemütlich:




Man kommt gelegentlich zu einer fehlenden Weiche. Beide Tunnels - wir nennen sie mal Zwilling-Tunnels, um wie bei Sternbildern eine Art 'Stützpunkt' für die Kommunikation zu haben - haben hinter der mächtigen Säule nochmals Kontakt mit merkwürdiger Geleiseanordnung und enden dann in jeweils einem eigenen kurzen Stollen. Dieses Stollenende gibt im Zusammenhang mit der erwähnten einst möglichen Rundtour Rätsel auf:




Wenn man dem Geleise rechts folgt, kommt man an ein erstes Ende (folgendes Bild). Ein zweites eher 'mysteriöses Ende' ist der 'sehr interessante' kleine und kurze Tunnel im Hintergrund ganz links im vorangehenden Bild.

Früher war es hier möglich, auf die früher erwähnte Rundtour zu gelangen, mindestens bis unter das Plateau der Calusa. Wir sind hier sehr nahe am verschlossenen und professionell getarnten Eingang zu den 'Hinterzimmern' der Seemühle. Bog man dann weiter im Berg drin an der richtigen Stelle nach rechts in einen Seitenstollen, kam man in einem Bogen nach Osten mit Auf- und Ab-Passagen bei der eingangs erwähnten 'Steinhalde' hervor/herunter. Man konnte auch 'nicht abbiegen', was der Autor leider so lange versäumt hat, bis es zu spät war. Der Zugang wurde 'bei Nacht und Nebel' gekappt (mehr dazu unter Geschichte/ Geheimnisse). Im folgenden Bild das Ende des rechten Geleises:





Das rätselhafte Gebiet hinter der Säule der Zwillingtunnels:







Die legendäre - heute verschlossene - Stollen/Rundtour der 1970er-Jahre

(Oder: Früher ging es viel weiter in den Berg [Erinnerungen damaliger Schüler und des Autors])


Der markante Eingang in Form eines Tores könnte noch intakt sein, aber wenige Meter hinter einem 'künstlichen Abschluss'. Die Rundtour begann am Ende des Schienen-Weges durch eine Verengung und kurz darauf durch besagtes Tor. Dieser Eingangskomplex und das folgende Fehlen des Geleises in den engeren und recht unheimlichen Stollen lösten ein beklemmendes Gefühl aus. Das eigentliche effektiv mysteriöse Tor erinnerte den Autor an das berühmte Löwentor von Mykene:




Gemäss Zeitzeugen und eigener Erinnerungen stand/steht das vorangehende Tor hinter dem rot eingekreisten und professionell(!) zugemauerten Tunnel-Anfang folgender Foto:




Nicht einmal Geleise-Spuren waren hinter dem Tor auszumachen. Solche sind/wären in einem völlig dunkeln Labyrinth eine willkommene Navigationsleitlinie. Rätselhaft: Auch für ein früheres Geleise schien die 'Topografie' nach Passage des Tors ungünstig, denn der 'flache Talboden' verwilderte. Wie wurde da das Ausbruchs-Gestein weggeschafft? Eine gelegentlich erreichte Abzweigung nach rechts (Querverbindung nach Osten) durfte man nicht verpassen.



Manche Stollengänger kehrten hier mit mulmigem Gefühl um und waren erleichtert, als sie die 'rettenden' Geleise wieder erreichten. Man hatte damals nur Militär-Taschenlampen mit 4.5 Volt Flachbatterien.


Andere gingen weiter:

Etwa 15 Meter nach erwähnter Ostabzweigung musste man eine 'rechtskurvige' Steinhalde hinauf kraxeln und der Weg drehte wieder in Richtung Süden.






Unausweichlich kam man an eine 'Schikane': Man musste eine Steinhalde hinunter auf Sohle 0 und gleich über eine anschliessende Steinhalde hinauf wieder zum '1. Stock':



Utopisten [auch der Autor] träumten hier von einer Brücke, umso mehr, als das Geröll scharfkantig war. 'Später' - das Gefühl für Zeit und Distanz war bereits verschwommen - kam rechts am Weg ein Fenster [zum grossen Abbaubecken der Sohle 0 oder in ein Abbaugebiet auf 'halbem Weg' dorthin(?)], aber es handelt sich eher nicht um dasjenige kurz nach dem ersten Dom, es war eher tiefer im Berg, die Lampen waren jedoch zu schwach und einen Abstecher wagte hier niemand mehr, denn man erwartete nur noch das Auftauchen des Ausganges. Auf dieser Höhe ('1. Stock') schien der Weg insgesamt 'endlos', aber die Laufrichtung nach übertag motivierte.




Plötzlich stand man oben an einer Steinhalde (Stichwort von weiter oben) und entdeckte gleichzeitig ein altbekanntes Geleise unten an der Steinhalde. Das war eine überraschende und wohltuende Erlösung. Man fühlte sich plötzlich wieder 'zu Hause' und kam schnell wieder zum ersten Dom, aber eben, von der anderen Seite. Diese Situation heute, aber aus der Gegenrichtung: Im rot eingekreisten Gebiet kam man plötzlich auf die Steinhalde und sah sofort die bekannten Geleise/Weiche. Auch hier ist der Zugang zur Rundtour perfekt verschlossen, wohl hinter einem (künstlichen?) Steinschlag-Kegel:







Und um Missverständnissen vorzubeugen:

Es geht bei dieser Rundtour um die gelb punktierte Linie in folgendem Plan-Ausschnitt (Gesamtplan weiter hinten):

Legende

18 Zwilling-Tunnels (Beginn der Rundtour)
19 Ostabzweigung
20 Steinhalde aufwärts
21 'Schikane', Steinhalde ab und auf
22 Steinhalde 'der Erlösung' ab



Korrespondenz zu dieser Rundtour: Paul Gantner
hb4rb@sarganserland-walensee.ch





Das heutige abrupte Ende bei den Zwilling-Tunnels - und damit die Sperrung der Rundtour - geht gemäss Aussage eines 'Stollengeistes' (Pseudonym) auf einen 'künstlichen Eingriff' zurück. Der Raum hinter dem künstlichen Abschluss sei 'umgenutzt' worden.

Andernorts wird auch von 'Rumpel-Geräuschen' - gehört in einem Keller auf Walenstadtberg - berichtet, was wohl zusätzliche - natürliche oder künstliche - 'tektonische Veränderungen' signalisiert.

Auch in der Gegenrichtung ist der Zugang zur einst möglichen Rundtour nicht mehr gegeben. Was hier hinten am Ende der Welt wirklich passierte, wird später unter Geschichte/Geheimnisse nochmals thematisiert.

Ersatzweise bietet sich bergseits (also nördlich) der Relikte des Militärspitals eine einigermassen ähnliche Rundtour an, die später an der entsprechenden Stelle noch beschrieben wird.




Ende Exkurs


Wir kehren wieder um und gehen zur 100-Abzweigung zurück.






Bei der 100-Abzweigung betreten wir den im folgendem Bild gezeigten etwa 12 m langen Seitenstollen und meinen - falls nur mit gewöhnlichen Taschenlampen ausgerüstet - eine 'Abschlusswand' zu sehen, denn das Licht verliert sich oben im 'Nichts'. Angemessen ausgeleuchtet sieht die Situation aber folgendermassen aus:




Nach kurzem Augenschein stellt man fest: Das Hinaufkommen ist unproblematisch und schnell wird dann oben mit Blick nach rechts hinten die weiterführende Betontreppe sichtbar. Ein kurzer Zwischenhalt beim Silo lohnt sich aber (Beschreibung auf übernächster Seite):




Weiter



[Zurück zur Eingangsseite]